Der Namenspatron von Papst Benedikt

von P. Prior Benedikt Friedrich OSB, Benediktinerabtei Scheyern 

„Benedetto“ rufen die Menschen am Petersplatz in Sprechchören unserem neuen Papst zu. Als Benediktiner ist es für uns etwas ganz Besonderes, dass er sich den hl. Benedikt zum Namenspatron gewählt hat. Wer war dieser Mann und was zeichnet ihn so sehr aus, dass er sogar einer der Patrone Europas geworden ist?

Benedikt wurde 480 in Nursia, dem heutigen mittelitalienischen Ort Norcia, geboren als Sohn einer freien und wohlhabenden Familie. Zum Studium nach Rom geschickt, spürte er die Berufung zum Mönchtum und zog sich zunächst in ein Tal bei Subiaco zurück. Dort lebte er drei Jahre als Einsiedler in einer Höhle, die man heute noch besichtigen kann. „Et habitavit secum“ schreibt Papst Gregor der Große (540-604) einige Jahrzehnte später über diese Lebensphase: „Und er wohnte bei sich selbst“. Damit hatte Benedikt etwas verwirklicht, was heute für viele Menschen mehr Sehnsucht als Realität ist. Doch er blieb nicht für immer in der Abgeschiedenheit, sondern sah seine Verantwortung für die suchenden Menschen, die zu ihm kamen. Es war die Zeit des niedergehenden Römischen Reiches und der Völkerwanderung, der Übergang von der Antike zum frühen Mittelalter. Die Gesellschaft war damals einem starken Wandel unterworfen. Wo konnte man da Halt finden? Benedikt schuf mit seinen Klöstern solche Orte der Stabilität und Gottsuche. Die bekannteste Gründung war im Jahre 529 auf dem Monte Cassino, einem Berg auf halbem Weg zwischen Rom und Neapel,  abgelegen und doch von weitem sichtbar. Es war ein geeigneter Ort für kontemplatives Leben und zugleich Ausgangspunkt für Wirksamkeit nach außen. Für das Leben seiner Klostergemeinschaft verfasste Benedikt über mehrere Jahre hinweg eine Regel, die uns in frühen Abschriften überliefert ist und die bis heute die Grundlage für das Leben der Benediktinerklöster bildet. Es ist erstaunlich, dass diese Weisung für gemeinsames klösterliches Leben schon 1500 Jahre lang Bestand hat. Dies liegt wohl an der menschlichen und geistlichen Größe Benedikts, der stets um das rechte Maß bemüht war und die Dinge so ordnete, „dass in allem Gott verherrlicht wird.“ Am bekanntesten ist die Zusammenfassung seiner Mönchsregel in den Worten „ora et labora - bete und arbeite“, was den Kern seiner Weisung trifft. Es ist Benedikt wichtig, dass „dem Gebet nichts vorgezogen werden soll“, zugleich zeigt er größte Wertschätzung für die Arbeiten im Kloster und auf den Feldern. Es ist ihm aber auch wichtig, dass die Mönche zu gewissen Zeiten frei sind für die Lesung, um zu den geistlichen Quellen zu gehen und daraus zu schöpfen, Nahrung für den inneren Menschen zu finden.

Damit ist ein Wesenszug beschrieben, der für Josef Ratzinger sein Leben lang prägend war, als ein Mann, der belesen ist und aus dem reichen Schatz der Tradition lebt. Er weiß es zu schätzen, wie sehr Benediktinerklöster im Laufe der Jahrhunderte die Kultur, die Bildung, Erziehung und Seelsorge im Abendland geprägt haben. Für ihn sind Benediktinerklöster stets Orte geistlicher Erneuerung, Scheyern ebenso wie Montecassino. Dort ist auch sein Buch „Salz der Erde“ entstanden, dort zelebrierte er am Fest der hl. Scholastika, der Schwester des hl. Benedikt, ganz in der Nähe von dessen Grab, gerne den Gottesdienst.

Nun hat er als Papst einen Namen gewählt, der zugleich ein Programm ist. Das lateinische Benedictus kommt von „bene dicere, - Gutes sagen, segnen, lobpreisen.“ Möge Papst Benedikt XVI. ein Segen sein, damit die Menschen zu Recht „Benedetto“ rufen, als freudigen Zuruf und Gotteslob zugleich.