Eindrücke
von einer Pilgerreise in Nahost
von
P. Benedikt Friedrich OSB
Was
kann ein Reisebericht aus Nahost Interessantes und Neues bringen, was man noch
nicht in den Reportagen der Medien gesehen hat?
Als
Vierergruppe, bestehend aus Karl und Barbara Seidenschwann, Fr. Subprior Kilian
und mir, waren wir unterwegs, die meiste Zeit mit einem der beiden Guides,
welche das bayerische Pilgerbüro vermittelt hatte. So haben wir die Chance
gehabt, jeweils mit Menschen aus dem Land zu reden und deren Ansichten zu
erfahren. Darüber hinaus kommt hier manches aus dem Blickwinkel des Glaubens
zur Sprache, weil wir sowohl auf den Spuren des Volkes Israel (Auszug aus Ägypten,
Sinai, Mosesberg) unterwegs waren als auch auf den Wegen Jesu (Jerusalem und Ölberg)
pilgerten. Das Ganze stets eingebettet in eine ständige muslimische Präsenz:
Der Muezzin in der Früh war auf allen Stationen Kontrastprogramm zu den
gewohnten Scheyerer Glocken.
Am
Suezkanal – Schauplatz der Geschichte
Wenige
Wochen vor unserer Fahrt Mitte Mai 2006 waren die Anschläge im ägyptischen
Badeort Taba gewesen und die Sicherheitsmaßnahmen fast erdrückend streng. Wir
machten uns aber keine Sorgen, weil unser Ziel im Sinai der „Dschebel Musa“
war, der „Mosesberg“, und dieser ist auch den Moslems heilig und
normalerweise kein Ziel von Anschlägen. Ab dem Stadtrand von Kairo ging es übers
Land. Es wurde ein kleiner Konvoi gebildet, bestehend aus unserem Kleinbus und
einem anderen Touristenbus, begleitet von einem Polizeiauto. Unser Fahrer musste
den ersten Zettel abgeben, auf dem Anzahl, Nation und Reiseziel von uns vermerkt
waren. „Arba’a Alemani“ hörten wir auf der Fahrt oft: „Vier
Deutsche“. Wir waren schon vorangemeldet. Besonders auf dem Sinai wurde ein
striktes Einhalten der Reiseroute gefordert. Ein Abstecher war absolut verboten.
Wir durften nicht einmal anhalten, um am Golf von Suez an den nur hundert Meter
entfernten Strand zu gehen. Der Guide fürchtete um seine Lizenz, „wenn etwas
passieren würde“. Welch ein Unterschied zu 1998, als ich im Rahmen des
theologischen Studienjahres eine Sinai-Exkursion mitmachen konnte: Viele
Checkpoints und Polizeistationen sind nun auf den Straßen aufgebaut. Die
Sicherheitshinweise des Deutschen Auswärtigen Amtes zu Ägypten stimmten auf
das Genaueste.
In
Suez holte uns die Geschichte ein. Das Hotel zur Übernachtung bot einen Blick
auf die vorbeifahrenden Schiffe auf dem Suezkanal. Hier erzählte Achmed Mustafa
Ismael, unser ägyptischer Guide, die leidvolle aber stolze Geschichte von der
„Befreiung des Suezkanal von israelischer Besatzung“. Der Suezkanal ist zum
Symbol für den nationalen Widerstand und Befreiungswillen der Ägypter
geworden. Die Stadt Suez musste fast vollständig neu aufgebaut werden. Achmed
klagte, dass sein Land die letzten fünfzig Jahre so viel für Verteidigung und
für den Konflikt mit Israel ausgegeben hat, dass die Infrastruktur sehr
darunter gelitten hätte: „Wegen Israel sind wir fünfzig Jahre zurückgeblieben.“
Inmitten
einer fremden Religion
Wir
machen einen Spaziergang durch Suez. Es ist Freitagabend. Es herrscht
ausgelassene Feiertagsstimmung. Auf den wenigen öffentlichen Grünflächen
sitzen Familien beim Picknick. Der Muezzin ruft zum Abendgebet. In den Moscheen
sehen wir durch die offenen Türen hindurch Männer beim Beten. Sie haben kein
Buch in der Hand, jeder betet für sich. Achmed erklärt uns: „Da macht man
z.B. einen Tagesrückblick, was war gut, was muss ich anders machen usw.“ Er
selbst ist auch gläubiger Moslem und von der Richtigkeit seiner Religion überzeugt.
Heute kann er wegen uns nicht in die Moschee gehen. „Man muss leben“,
entschuldigt er sich. Er hat eine Frau und fünf Kinder zu ernähren. Auf der
Reise gibt es interessante Gespräche über seine Religion, den Islam. „Der
Koran ist direkt von Gott an Mohammed offenbart worden.“ Davon ist Achmed überzeugt
und führt zum Beweis an, dass Mohammed ein Analphabet war, der den Koran
den Schreibern diktiert hat. Es ist aber völlig undenkbar, dass ein Analphabet
aus sich selbst heraus ein literarisch und sprachlich so gelungenes Werk wie den
Koran diktieren könne. „Direkt von Gott diktiert“, der Fachausdruck dafür ist ‚Verbalinspiration’. Es gibt
auch im Christlichen solche Ansichten, vor allem bei amerikanischen
Fundamentalisten, welche die Bibel wörtlich nehmen und deshalb z.B. in der
Schule die Erschaffung der Welt in sieben Tagen lehren wollen. Früher hat man
auch im Katholischen die Hl. Schrift sehr wörtlich verstanden. Gegen Galileo
Galileis damals noch unbewiesene Behauptung, dass sich die Sonne nicht um die
Erde dreht sondern umgekehrt, wurde damals ein Schriftbeweis aus dem Alten
Testament ins Feld geführt. Erst später, in der Epoche der Aufklärung, sind
bei uns Glaube und Vernunft, Religion und Staat voneinander unabhängig
geworden. Im Vorderen Orient und in der arabischen Welt allgemein gab es diese
Epoche jedoch noch nicht. Dabei ist unser Guide Achmed nicht naiv oder
ungebildet, im Gegenteil: Er hat Germanistik und Ägyptologie studiert und war
ein Jahr als Dolmetscher in Wien tätig. Doch der Koran ist für ihn von Gott so
gesandt, und er kann ihn komplett auswendig rezitieren! Ich nutzte die
Gelegenheit einer langen Autofahrt, um das Thema der Scharia
anzusprechen: „Stimmt es, dass danach Söhne im Vergleich zu ihren Schwestern
vom Erbe den doppelten Anteil bekommen?“ Es stimmt. Doch gibt es dafür auch
gute Gründe: Die Söhne müssen ein Zimmer für die Eltern bereithalten und die
Eltern haben freie Wahl, zu welchem der Söhne sie gehen. Meistens dorthin, wo
die Schwiegertochter am besten mit ihnen umgeht. Ferner muss ein Bruder sich um
seine Schwestern kümmern, falls diese einmal alleine dastehen.
Spannend
wurde es, als wir auf Jesus zu sprechen kamen. Nach Achmeds Auffassung ist durch
jeden der großen Propheten etwas Wichtiges in die Welt gekommen: Durch Moses
das Gesetz, die Ordnung; durch Jesus wurde offenbar, dass Allah (arabisch
für Gott) das Heil der Menschen bewirkt; durch Mohammed wurde dann schließlich
der Koran gegeben, welcher unbedingt gilt. Auf welche Weise Jesus im Islam
Wertschätzung erfährt, wurde am Morgen des dritten Tages deutlich. In der
Nacht hatte das arabische Fernsehen den Film „Sakrileg“ gesendet, mit einer
anschließenden zweistündigen Diskussion darüber. „Wie kann man einem
Propheten wie Jesus so etwas andichten: Ein Kind mit einer Hure.“ Achmed war
sichtlich empört, vor allem über den Fernsehkommentar einer Amerikanerin: „Why
not?“ – Einer Gruppe junger Amerikaner sind wir im Land begegnet. Die
leichte Art der Bekleidung und die tiefen Ausschnitte der Frauen machten
deutlich, dass diese Leute kein Gefühl für die Kultur des Gastgeberlandes
entwickelt hatten.
Katharinenkloster
und Mosesberg
Im
Hochgebirge der Sinaihalbinsel erreichten wir die Unterkunft neben dem
Katharinenkloster. Dieses liegt in der Talsohle ca. 1500 m über dem
Meeresspiegel, die umliegenden Berge erstrecken sich bis auf über 2600 m. Hier
leben orthodoxe Mönche, die Klostergemeinschaft ist eine autokephale Kirche mit
eigenem Oberhaupt. Die hohe Umfassungsmauer wurde im Auftrag von Kaiser
Justinian zwischen 548 und 560 gebaut, um die Mönche und Eremiten vor den Überfällen
der Nomadenstämme zu schützen. Auch damals brauchte man schon Mauern zum
Schutz. Das Kloster ist nachmittags für Besucher geschlossen, doch an der Seite
stand eine Tür offen. Wir gingen hinein, bis zum Torhüter. Nach uns kam eine
Gruppe von orthodoxen Pilgern, welche im Gegensatz zu uns die Ikone mit einem
Handkuss verehrten und „Christos anestis“ („Christus ist auferstanden“)
zum Gruße sagten. Ich merkte mir diesen Gruß, was später in Jerusalem zu
einer Verwechslung führen sollte. Mit dem in griechischer Sprache verfassten
Brief von Dr. Volk aus unserem byzantinischen Institut erlaubte der Torhüter
mir den Eintritt. Ich konnte mich der Gruppe anschließen und erlebte die Kirche
während der Liturgie. Uralte orthodoxe Gesänge erklangen, Weihrauch lag in der
Luft, altehrwürdige Ikonen an den Wänden, Gebetsatmosphäre. Die Mönche
freilich waren nicht sehr gesammelt: Manche schauten ins Volk, wer da alles
hereinkommt, zwei gingen in der Kirche herum und zwei traf ich während der
Liturgie vor der Kirche an. Jetzt traute ich mich zu fragen, ob ich den Schlüssel
für die Kapelle auf dem Berg ausleihen dürfe. Einer schaute mich an, erkannte
am Habit den Katholiken und antwortete: „It would be a big problem if you
celebrate there.“ Ich verstand und machte so meine Erfahrung zum Thema Ökumene.
Am
nächsten Tag machten wir uns um vier Uhr auf den Weg zum Aufstieg auf den
sogenannten Mosesberg. Nachdem für Fr. Kilian ein Kamel gefunden war, konnte es
losgehen. Der Sonnenaufgang erzeugte auf dem hellen Granitstein eine sehr warme,
rötliche Farbe. Auf dem Gipfel waren wir vier dann die Einzigen, weil zwei
andere Gruppen schon abgestiegen waren. Wir feierten dort Eucharistie, neben der
Kapelle, im Freien. Dieses Verweilen und Beten und der Blick über die ganz
eigene Berglandschaft lässt erahnen, warum dieser Berg von alters her als
heiliger Berg angesehen wird. Gleich zwei bedeutende Traditionen werden hier
verortet: Wie Moses die zehn Gebote empfängt und wie Gott zu dem Propheten
Elija spricht. Beim Abstieg wollte uns ein Beduine etwas aus seinem Shop
verkaufen. Wir winken ab. Er ruft auf Deutsch nach: „Kein Geschäft,
helfen.“ Das traf uns ins Herz und wir kauften zumindest etwas zu trinken. Es
gab viel zu viele Verkaufsbuden. Fr. Kilian erzählte von seinen
Schwierigkeiten, als es um das Bezahlen des Kamels ging: Der Kamelführer
forderte viel mehr als ausgemacht war. Die Beduinen in dieser kargen Gegend
haben keinen leichten Stand.
Zwischen
Ägypten und Israel
Am
Abend beteten wir zu viert die Sonntagsvesper im Innenhof der Hotelanlage. Es
fiel gerade der Psalmvers „Israel, vertrau auf den Herrn!“, als ein
arabischer Arbeiter an uns vorbeiging. Ich zuckte innerlich zusammen und fand es
sehr unpassend, hier den Namen des ehemaligen Feindes auszusprechen. Wie beten
eigentlich arabische Christen die Psalmen? Wohl mit gemischten Gefühlen. Beim
Abendessen kamen wir mit unserem Guide auf Radikale zu sprechen, die auch vor
Bomben nicht zurückschrecken. Er erwiderte: „Wer ist hier radikal? Die
Israelis nehmen den Palästinensern Häuser weg, planieren Ölbaumplantagen und
sperren Straßen ab. Ist das nicht auch radikal?“ – Nicht dass er
Bombenattentate für gut hieß, aber er wehrte sich vehement dagegen, nur diese
als radikal zu bezeichnen. Es kommt immer wieder auf den Blickwinkel an, das
merkten wir auch am nächsten Tag, als wir im Golf von Aqaba die ‚Corel
Island’ sahen, eine vorgelagerte Insel mit einer Burgruine. Ich meinte dazu,
dass dies eine ehemalige Kreuzfahrerburg sei. Achmed korrigierte: „Da war
schon vor den Kreuzfahrern eine Burg, die dann von Saladin wieder befreit
wurde!“ Genaugenommen hatte er Recht, denn in der Geschichte steht:
„Kreuzfahrerburg, seit 1116 von Balduin besetzt, 1270 von Saladin eingenommen
und befestigt.“ So gelangten wir bei Eilat zur Grenze zwischen Ägypten und
Israel, an die südlichste Spitze des israelischen Staates. Hier kann man nur zu
Fuß weiterkommen. Wir verabschiedeten uns von unseren ägyptischen Begleitern
und brachen in eine Welt auf, in welche diese vielleicht niemals einreisen dürfen.
Die Grenze ist wie der frühere Eiserne Vorhang in Deutschland. Sogar die Koffer
werden durchleuchtet. Auf der israelischen Seite merkt man an der Kleidung der
Leute und der Werbung sofort, dass man in einer westlich geprägten Kultur ist.
Unser israelischer Guide namens Eli Ballin wartete schon auf uns. Er arbeitet
rationeller als seine Kollegen in Ägypten, indem er gleichzeitig Fahrer und
Guide ist.
Im
Nationalpark von Timna trafen wir noch ein letztes Mal auf ägyptische Spuren:
Hier wurde ab dem Ende des 5. Jahrtausends (!) v. Chr. Kupfer abgebaut. Auf dem
Boden liegen eine Menge Schlackebrocken, die hier vor mehr als 3000 Jahren beim
Schmelzen des Kupfererzes angefallen sind, die Pharaonen bedienten sich der
Sklavenarbeit und der Hilfe der Midianiter.
Auf
der Fahrt nach Norden bestaunten wir die großen Plantagen. Wir sahen asiatisch
aussehende Arbeiter auf einem Traktor und fragten Eli, den israelischen Guide,
woher diese kommen. Er erklärte uns, dass man 15.000 Thailänder für je ein
Jahr nach Israel geholt hat. Ich fragte nach dem Grund, denn schließlich gibt
es hier günstige palästinensische Arbeitskräfte in der Nähe. Die Antwort war
sehr direkt: „Erst bomben sie uns und dann sollen wir ihnen Arbeit geben? Gebt
ihr ihnen doch Arbeit! Wir müssen ihnen ohnehin schon alles geben: Energie,
Wasser usw.“
Für
uns war es ein krasser Kontrast, plötzlich solche Töne zu hören und wir spürten
deutlich die Kluft zwischen Achmed und Eli. Letzterer, als Sohn einer deutschen
Mutter, wurde in Palästina vor 1948 geboren und ist in vielen Äußerungen sehr
kauzig. Einmal, auf einen blühenden Kaktus zeigend, sagte er uns, dass seine
Generation mit dem gleichen Namen benannt wird wie dieser Kaktus, weil auch sie
abweisend und stachelig ist, aber dann und wann auch wie dieser Kaktus eine schöne
Blüte hervorbringt.
Am
Abend kamen wir zum Toten Meer, dem tiefsten Punkt der Erde, 400 Meter unter dem
Meeresspiegel, und machten in En Gedi Quartier. Hier befindet sich ein Kibbuz
mit 700 Mitgliedern, die u.a. ein Kurhaus betreiben, Gästezimmer anbieten und
Mineralwasser abfüllen. „En“ heißt Quelle. Hier ist schon in biblischer
Zeit das Wasser aus den Bergen der judäischen Wüste hervorgetreten.
Spät
abends schaltete ich das Fernsehen ein, um die englischen Nachrichten von CNN zu
sehen. In Gaza hatte es zwei Tote gegeben. Nur gut, dass Gaza weit weg war und
nicht auf unserer Route lag. Dann eine Erfolgsmeldung über den Start vom
Kinofilm „Sakrileg“ in den USA, der am ersten Tag 224 Mio. US Dollar
eingespielt hatte. Jetzt wurde es deutlich, da geht es nur ums Geld! Ich denke
wehmütig an den moslemischen Guide zurück, der das Ganze aus religiöser und
moralischer Perspektive beurteilte. Wieder einer der Kontraste, die wir als
Grenzgänger so unvermittelt erfahren haben.
Am
deutlichsten aber wurde das auf Massada. Diese Wehrburg am Toten Meer wurde 74
nach Christus von den Römern eingenommen, womit der jüdische Aufstand sein
Ende nahm. Für den Staat Israel ist diese Festungsruine Symbol des
Verteidigungswillens. Hier werden die meisten Rekruten vereidigt mit dem Satz:
„Massada darf nicht mehr fallen.“ Vor vier Tagen erst waren wir am
Suezkanal, auch ein Symbol des Verteidigungswillens. So kultiviert jedes Land
seine eigene Geschichte, seine Opfer und seine Gefährdung.
Mit
einem Israeli im Palästinensergebiet
Auf
der Fahrt am Westufer des Toten Meeres erklärte Eli nicht ohne Stolz: „Diese
Straße haben wir gebaut. Bis 1967 war dieser Teil von Jordanien besetzt, da hat
man diese Straße nicht gebraucht.“ Wir hielten kurz, um am Felsen über uns
die Markierung zu sehen, welche ein Forscher vor 50 Jahren von einem Boot aus
angebracht hatte. So hoch war das Tote Meer damals, nun sinkt der Wasserspiegel
jährlich um einen Meter, weil aus dem Jordan zu viel Wasser für die
Landwirtschaft abgezogen wird.
Vor
Jericho stellt sich die Frage, wie zugänglich die Palästinensergebiete für
uns sind. „Ihr könnt schon hinein, ich nicht!“, erklärt der Guide mit dem
ironisch ernsten Zusatz: „Mich würde man im Sarg hinaustragen.“ Wir
verzichten darauf, den ältesten Turm der Welt zu sehen und fahren durch die judäische
Wüste hinauf nach Jerusalem. Hier bewegen wir uns zum ersten Mal auf einem
Gebiet, durch das schon Jesus mit seinen Jüngern gezogen ist. Ein Abstecher zum
Wadi Qilt wäre uns lieb, um einen Blick auf das orthodoxe St.GeorgsKloster
werfen zu können. Es liegt nur fünf Kilometer von der Hauptstraße entfernt.
Doch Eli lässt sich nicht darauf ein. Er hat wohl Angst vor Steinewerfern: Das
gelbe Nummernschild und die Aufschrift lassen schon von weitem erkennen, dass da
ein Israeli fährt. Wir kommen an Beduinensiedlungen vorbei, die mehr aus
Wellblech als aus Steinen bestehen. Immer noch in der Westbank, dem Gebiet, das
auf der Landkarte den Palästinensern gehörte, liegt linker Hand ‚Maale
Adumin’, eine sehr große Siedlung mit 70.000 Einwohnern, genau genommen eine
Kleinstadt in der judäischen Wüste. Dann kommen wir zum Checkpoint. Ein Soldat
schaut in unser Auto und lässt uns passieren: Gesichtskontrolle reicht aus, wir
brauchen keinen Pass zu zeigen. Gesichtskontrolle, das sollten wir noch mehrmals
erleben, entscheidet in diesem Land über den weiteren Weg, auch für uns. Dann
sehen wir zum ersten Mal die Mauer. Zum letzten Mal sei hier unser israelischer
Guide zitiert, der wiederum seine eigene Sicht der Dinge hat: „Mauer? Welche
Mauer? Das meiste ist Zaun, nur zu 3% ist es eine Mauer, dort wo Häuser sind
und wo sie auf uns schießen.“ Für uns ist das Stück Mauer bedrückend
genug. Im Bau befindlich ist gerade ein Übergangspunkt, auf der Rückseite des
Ölberges. Über diesen kommen wir nach Jerusalem und nehmen Quartier bei den
deutschsprachigen Benediktinern.
Mit
Palästinensern in Israel
Hier
erfahren wir bei Gesprächen, wie sehr diese Mauer den Alltag der Palästinenser
einschränkt. Viele brauchen doppelt so viel Benzin wie vorher und müssen jeden
Tag drei Stunden zusätzliche Fahrzeit in Kauf nehmen. Ein Steinmetz, vom
deutschen Architekten der Dormitio bestellt, traf erst am späten Vormittag ein
und musste gegen drei Uhr nachmittags schon wieder aufbrechen, damit er vor
Einbruch der Dunkelheit wieder zurück war. Hier hören wir in der Tischlesung
auch von einem Mitglied des armenischen Konventes, der in Palästina geboren
wurde, dass er keinen Reispass besitzt, weil er keine Staatsangehörigkeit hat.
Genauso ergeht es Ibrahim Abu ElHawa, der nur eine grüne Identitätskarte hat,
genauso wie 2,5 Mio. seiner Landsleute. Ihn lernen wir auf Einladung einer
Deutschen kennen, die in Ibrahims offenem Haus des Friedens auf dem Ölberg
wohnt. Im Flur hängen zwei Fahnen: Eine mit dem hebräischen Schalom und eine
mit arabischem Salem. Zur Zeit kämpft er gerade darum, eine Einladung nach
Moskau wahrnehmen zu können, um dort über den Friedensprozess zu sprechen. Er
zeigt stolz auf einen Zeitungsartikel an der Wand, wo anerkennend über seinen
Einsatz für den Frieden berichtet wird. Allerdings weiß er noch nicht, ob er
von den israelischen Behörden die Erlaubnis zur Ausreise bekommen wird, ist
aber als gläubiger Moslem voller Gottvertrauen. – Das Wirken des Geistes
Gottes mit seinen Früchten der Liebe, des Friedens und des Glaubens ist bei
diesem Mann nicht zu leugnen. Der Geist Gottes wirkt auch bei Andersgläubigen!
– Von der Dachterrasse sieht man weit in die judäische Wüste, bis zum 1200
Meter tiefer gelegenen Toten Meer. Im Vordergrund aber die hohe Mauer, welche
wir schon vom Auto aus gesehen haben. Hier war nun der richtige Ort, dass ich
mein Stück Berliner Mauer übergeben konnte.
Ich
hatte es 1990 beim ökumenischen Kirchentag in Berlin gekauft und nun als
Zeichen mitgenommen, dass auch diese Mauer einmal als Souvenir verkauft werden
wird. Hoffentlich dauert es nicht Generationen!
Ibrahims
Schwierigkeiten wegen seiner fehlenden Staatsangehörigkeit lassen die folgende
Begegnung in einem grellen Licht erscheinen. Bei der Vesper war ein Jude. Er
kommt aus Deutschland. Emmanuel lebt seit vier Jahren in Israel und wohnt und
lernt als Konvertit in einer jüdischen Schule, Jeschiva genannt. Voller Freude
erzählte er an diesem Abend, dass er nicht nur für ein weiteres Jahr die
Aufenthaltsgenehmigung bekommen hat, sondern auf Grund eines Schreibens seines
Rabbis sogar die israelische Staatsangehörigkeit! Innerlich kann ich nur mit
dem Kopf schütteln und ich empfinde das alles sehr ungerecht. Manche palästinensische
Familie kann einen Stammbaum von vierhundert Jahren und mehr nachweisen und muss
dennoch wie Fremde im eigenen Land leben und dieser Fremde wird schon nach vier
Jahren eingebürgert. Hauptsache man ist in einer Jeschiva, dann öffnen sich
alle Türen...
Auf
den Spuren Jesu
Nach
Jerusalem reist man nicht wegen all der oben beschriebenen Schwierigkeiten,
sondern weil es die Stadt des Wirkens, des Sterbens und der Auferstehung Jesu
ist. Durch einen Zufall erfuhr ich von der Möglichkeit, im Heiligen Grab selbst
inmitten der Grabeskirche eine Messe zu feiern. Per EMail von Deutschland aus
schon Wochen vorher bestellt, durften wir tatsächlich zu viert an diesem
Brennpunkt unseres Glaubens Eucharistie feiern. Wir waren uns einig, dass dies
zu den dichtesten und kostbarsten Erfahrungen der Reise gehörte.
Am
Nachmittag stellten wir uns an, um auf den Tempelberg zu gelangen. Nur zwei
Stunden ist er für Touristen geöffnet. Seitdem 1999 Sharon durch seinen
„Besuch“ auf dem Tempelberg die 2. Intifada ausgelöst hat, sind der
Felsendom und die große Moschee nur noch für Moslems zum Beten zugänglich.
Touristen müssen draußen bleiben. Auch hier reicht die Gesichtskontrolle,
diesmal nicht zu unserem Vorteil, sondern zu unserem Nachteil. Doch wir können
dennoch diesen herrlichen sonnenbeschienenen Ort genießen, in dessen
Mittelpunkt der blaugekachelte Felsendom mit seiner vergoldeten Kuppel an der
Stelle des früheren jüdischen Tempels steht.
Mit
der Bibel in der Hand folgen wir anderntags Jesu Spuren vom Ölberg herab in die
Stadt. Dies braucht hier nicht ausführlich geschildert zu werden, haben doch
schon viele diese Wege und Stationen selbst begehen können. Etwas ganz
Besonderes war es aber, diesen Weg mit einem Gottesdienst in der
Himmelfahrtskapelle zu beginnen, denn es war Christi Himmelfahrt. Nur an diesem
Tag dürfen die Franziskaner hier Messe feiern, denn dieser achteckige Bau gehört
zu einer Moschee. Die Teilnehmerzahl von geschätzten einhundertzwanzig Leuten
erinnert mich allerdings an die Jünger aus der Apostelgeschichte und es braucht
heutzutage die gleiche Glaubenskraft wie damals, dass diese kleine Schar dem
Auftrag Jesu folgt: „Geht hin und verkündet allen...“ Ich denke daran, wie
verrückt das war und ist, wenn wir jetzt in die Stadt gehen sollten und verkünden.
Froh bin ich darüber, dass mein Verkündigungsauftrag in Deutschland ist. Das
ist zwar ziemlich säkularisiert, aber dafür spüren viele Menschen, dass ihnen
etwas fehlt und fangen an, sich zu interessieren. Hier dagegen sind die Fronten
klar abgegrenzt. Eine zweite besondere Erfahrung hatten wir am sogenannten Grab
Mariens im Kidrontal. Da saß neben dem Eingang ein russischer Mönch im
Schatten und ich erinnerte mich an den Gruß der Pilger vom Katharinenkloster.
Deshalb grüßte ich mit „Christos anestis“. Sofort sprang der alte Mann
freudig auf, eilte vor uns die Treppen hinab und machte die Lichter der
Seitenkapellen an. Unten bot er uns Kerzen an, bis von der anderen Seite ein
Armenier in Sultane kam und sich energisch einmischte. „Russia, Russia“,
sagte der Alte, auf uns deutend. Doch der Armenier fragte uns selbst und
als die beiden erfuhren, dass wir Deutsche sind, geschah folgendes: Der Armenier
nahm uns die Kerze aus der Hand, gab sie mit vorwurfsvollem Blick dem russischen
Mönch und dieser verzog sich mürrisch. Dann wollte uns der Armenier seine
Kerzen verkaufen. Darum ging es also! Die Tage für das Verkaufen von
Opferkerzen waren zwischen den Konfessionen aufgeteilt, ausgenommen Pilger aus
dem eigenen Land. Als solche hatte der alte Mönch uns aufgrund des Grußes
eingeschätzt. Die Reaktion des Armeniers war allerdings so barsch, dass wir ihn
auf seinen Kerzen sitzen ließen.
Innerhalb
der Stadtmauer war die Ausgrabung des Bethesda-Teiches, an dem Kranke auf
Heilung hofften, quasi ein Lourdes der damaligen Zeit. Dort fand die Begegnung
Jesu mit einem kranken Mann statt (vgl. Joh. 5,2). Auf der Via Dolorosa baten Händler
uns, in ihr Geschäft zu kommen. Auf unser beständiges Nein sagte einer
resignierend: „Vom Nein nicht leben.“ Das ist Kreuzweg heute, viele Geschäfte,
wenig Umsatz. Beim Zuckerbäcker Zalatimo zahlten wir einen Euro pro Person und
durften so in dessen Lagerraum gehen. Das besondere dabei war: Wir befanden uns
auf den originalen Stufen der konstantinischen Basilika. Diese wurde 335
eingeweiht. An der Eingangswand mit der Portalöffnung der Vorhalle war deutlich
die Rundung zu sehen, in der sich früher die Aufhängung der großen Eingangstür
zum Atrium gedreht hat. In der Grabeskirche angekommen, besuchten wir als
Scheyerer natürlich auch die Zisterne der Kreuzauffindung. Im koptischen
Konvent konnten wir gegen ein Trinkgeld eine parallele echte Zisterne begehen,
in der sich noch immer klares Wasser sammelt. Der Weg dahin führte uns durch
die Kapelle der äthiopischen Mönche, die auf einem Stab gestützt abwechselnd
sangen, was sehr klagevoll klang. „Die jammern jetzt die Vesper“,
kommentierte Fr. Kilian treffend.
Beim
franziskanischen Mesner der Grabeskirche vergewisserte ich mich, ob die Übernachtung
in der Grabeskirche in Ordnung ging. Jede Konfession darf nämlich einer kleinen
Zahl von Gläubigen gestatten, die Nacht in der Grabeskirche zu verbringen. So
fand ich mich rechtzeitig ein und konnte den Ritus der Schließung der
Grabeskirche von innen verfolgen: Von jeder Konfession war einer anwesend.
Nachdem die israelische Polizei alle Pilger und Touristen hinaus geschickt
hatte, wurden die beiden Türflügel geschlossen und von innen verriegelt.
Verschlossen allerdings wurde die Tür von außen. Saladin hatte im 13.
Jahrhundert das Recht, die Grabeskirche zu bewachen, an zwei muslimische
Familien übertragen, die seitdem die Schlüssel zur Kirche besitzen. Durch eine
geöffnete Klappe wird die Holzleiter hineingereicht, auf welche der Türschließer
steigen muss, um bis zum Schlüsselloch zu gelangen. Dann wird die Holzklappe
geschlossen und die Grabeskirche ist zu. – Stille – Zeit, einen Rosenkranz
auf Golgatha für meinen verstorbenen Patenonkel zu beten, der am nächsten Tag
in meiner Abwesenheit in der Heimat beerdigt wird – Eine halbe Stunde im Hl.
Grab, um ganz neu zu realisieren, dass Jesus tot ist und dass hier oder ungefähr
hier die Auferstehungsmacht Gottes gewirkt hat – Zeit, um die eigene Müdigkeit
zu spüren, glücklicherweise nicht allzu lang –. In dieser Nacht war ein
griechischer Bischof mit Pilgern für eine Liturgie angemeldet und so kann ich
kurz nach Mitternacht erleben, wie die Tür bereits geöffnet wird und verbringe
den Rest der Nacht im Tiefschlaf im Bett.
Jüdisches
In
diese Tage fiel der Jerusalemtag, der Tag zur Erinnerung an die Eroberung der
Stadt im Krieg im Jahre 1967. Von allen Schulen des Landes waren junge Leute
angereist. Provokant singend zogen sie durch den Suk, die Marktgassen von
Jerusalem, vorbei an den palästinensischen Händlern, eskortiert von Männern
mit Maschinengewehren auf dem Rücken. Auf dem Platz vor der Westmauer, die uns
mehr als Klagemauer vertraut ist, wurde Musik gespielt und Hunderte bildeten wie
von alleine einen großen Kreis und bewegten sich im Rhythmus der Musik in eine
Richtung. „Hier wird gerade aus zwanzig verschiedenen Völkern eine einzige
Nation“ war mein Gedanke dazu. Sabbatbeginn, ein Pflichttermin für alle
Jerusalemreisenden, die sich auch für das Judentum interessieren. Mit schwarzer
Hose, weißem Hemd und einer schönen Kipa auf dem Kopf sehe ich so echt aus,
dass ich vor der Westmauer eingeladen werde, mich einer der vielen Gruppen
anzuschließen. Diese brauchen nämlich mindestens zehn Teilnehmer für ihren
Synagogengottesdienst. Ich winke natürlich ab und gehe zur Mauer, die aus der
Zeit des Herodes d. Großen stammt, uns als Klagemauer bekannt. Dort ist ein
guter Ort zum Gedenken. Ich denke an alle, die hier schon gestanden sind und was
für ein Meer an Hoffnungen, Ängsten und Schmerz hier schon zum Ausdruck
gebracht wurde, ich lege meine Hände an die sonnengewärmte Mauer und weiß
mich eins mit allen, die hier schon Gleiches getan haben, ich sehe die kleinen
Zettel in den Ritzen stecken und erinnere mich an den alten Papst Johannes Paul
II, der hier die Vergebungsbitte an das jüdische Volk deponierte und ich denke
daran, dass über diese Mauern schon die Augen Jesu gewandert sind. „Reißt
diese Mauern nieder und ich werde sie in drei Tagen wiederaufrichten“, hatte
er gesagt und seinen Leib gemeint. Ich denke daran, dass wir Christen nicht bei
der ehemaligen Umfassungsmauer für den früheren Tempel stehen bleiben
brauchen, und gehe langsam wieder.
Am
nächsten Tag besuchten wir vor der Abreise einen Synagogengottesdienst, genauer
gesagt, nur eine viertel Stunde davon, um einen Eindruck zu gewinnen, wie dort
gebetet wird, Männer und Frauen übrigens strikt getrennt. Auf der Fahrt
stoppten wir an der Knesset, wo der berühmte siebenarmige Leuchter steht. Am
Flughafen dann die strengen Sicherheitskontrollen und Kofferuntersuchungen.
Selbst den Gürtel und die Sandalen mit ihren Metallschnallen musste ich
ausziehen, damit ich ohne Alarmzeichen durch den Metalldetektor gehen konnte.
Als wir dann einen Kaffee kaufen wollten, trauten wir fast unseren Augen nicht.
Alle Geschäfte waren geschlossen: Sabbat, Ruhetag! Nur ein Stand hatte offen,
wieder typisch jüdisch, die Ausnahme von der Regel, doch dort waren lange
Schlangen.
Beim
Heimflug konnten wir genau den Bosporus erkennen, den Übergang von Asien zu
Europa. Beim Landeanflug über Niederbayern hinweg herrschte nur ein Eindruck
vor: „Alles so grün!“ – Nach so viel Wüstenstaub und steinigem Boden
merkte man wieder neu, in was für einem gesegneten Land wir leben.
Was
bereits getan wird
Arbeitslosigkeit,
Armut, Hunger und steigende Gewaltbereitschaft sind nicht nur Themen von Nahost.
Auch in anderen unterentwickelten Ländern hat sich die Situation in den
vergangenen Jahrzehnten verschlechtert. So sind die folgenden Punkte nicht die
Antwort, nicht genug für eine Trendwende, sondern zeigen was schon geschieht.
•
In Ägypten unternimmt der Staat große Anstrengungen, zusätzliche
landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Im Sinai konnten wir das Verlegen von
Wasserpipelines beobachten, mit denen Nilwasser in diese Region gepumpt werden
wird und riesige Plantagen bewässert werden können.
•
In Bethlehem betreiben die Schweizer Christen das „Caritas Baby Hospital“,
die einzige professionelle Hilfe für die Palästinenser weit und breit.
•
In Jerusalem und Tabga am See Genezareth bringen die Benediktiner immer wieder
Araber und Israeli miteinander ins Gespräch, schaffen Raum zur Begegnung auf
neutralem Gebiet.
•
Der Architekt der Dormitio Abtei hat einem Palästinenser in Deutschland eine
gediegene Ausbildung ermöglicht, was nur durch eine persönliche Bürgschaft möglich
war.
Die
einzige Lösung ist die konkret gelebte Nächstenliebe in all ihren Dimensionen.
Wichtig ist die Unterstützung von christlichen Gemeinschaften und die Hilfe bei
Projekten verschiedenster Art. Aber auch die moralische Unterstützung zählt:
Papst Benedikt XVI. kündigte für das Jahr 2007 einen Besuch im Hl. Land an, um
auf diese Weise die Christen und alle Menschen guten Willens zu ermutigen.
Ein
paar ‚Links’ zum virtuellen Reisen
www.pilgerreisen.de
(Bayerisches Pilgerbüro)
www.sinaimonastery.com
(Katharinenkloster auf dem Sinai)
www.hagia-maria-sion.net
(Abtei Dormitio, Benediktiner in Jerusalem)
www.studienjahr.de
(Theologisches Studienjahr in Jerusalem mit vielen Links)
www.jerusalempeacemakers.org/ibrahim
(eine palästinensische Friedensinitiative)
www.faces-of-christianity.blogspot.com
(eindrucksvolle Gesichter aus verschiedenen Konfessionen, von Claudia Henzler)