Der Untergang
Nachdem
die Titanic vom letzten europäischen Hafen in Queenstown abgelegt hatte nahm
sie Kurs auf Amerika. Die
Katastrophe ereignete sich etwa 500km südlich der Insel Neufundland, die Stelle
hat etwa 
Auf
dem Schiff hielten Byles und Pater J. Peruschitz jeden Tag Gottesdienste. Zuerst
nur in der dritten Klassen, dann auch in der zweiten Klasse, in der sie selbst
auch untergebracht waren. Bei den Gottesdiensten in der dritten Klasse waren
mehrere hundert Menschen anwesend und Pater Joseph predigte in ungarisch und
deutsch, Father Byles in englisch und französisch. Die religiöse Feier in der
ersten Klasse wurde von Captain Edward John Smith geleitet.
Auch am Sonntagmorgen hielten
die beiden Priester erst in der dritten und dann in der zweiten Klasse einen
Gottesdienst ab, bevor sie ihr Mittagessen einnahmen und sich am Nachmittag wie
viele andere Passagiere der zweiten Klasse in die Bibliothek zurückzogen, da an
Deck extreme Kälte herrschte.
"In der Mitte des Raumes hielten sich zwei katholische
Priester auf, einer leise lesend
- entweder Engländer oder Ire (Byles),
und wahrscheinlich der höhergestellte -,
der andere dunkel, bärtig, mit einem breitkrempigen Hut,
einem Freund auf deutsch
etwas ins Ohr flüsternd und dauernd Textstellen aus der
Bibel erklärend, die aufgeschlagen vor ihm lag." (1)
Am Abend
beteten die beiden Priester mit den Menschen der dritten Klasse und erteilten
den Segen Gottes, bevor sie das Zwischendeck wieder verließen um an einem
Kirchenliederabend teilzunehmen. Nachdem um 22 Uhr noch Tee und andere
Erfrischungen verteilt wurden, schloss Reverend Carter den Abend mit einem Gebet
für alle, die bisher ihr Leben im Meer eingebüßt hatten und verkündete, dass
dies wohl nicht der letzte Liederabend auf der Titanic sein werde.
Es kehrte Stille auf der Titanic ein.
Diese
Stille wurde um etwa 23:40 Uhr durch den dreimaligen Glockenschlag vom Krähennest
zerrissen. Der Späher Fleet meldete der Brücke die drei Worte, die das Leben
von knapp 2000 Menschen und die Geschichte für immer verändern sollten:
"Eisberg direkt voraus!"
Der
Erste Officer W. McMaster Murdoch, der zu diesem Zeitpunkt das Kommando inne
hatte ließ das Ruder "hart Steuerbord" drehen und alle Maschinen rückwärts
laufen.
Doch es war zu spät!
Der
Eisberg hatte die Titanic unter der Wasseroberfläche beschädigt. Auf der
Titanic war dies nur durch ein leichtes Zitter und einige Eisblocken auf dem
Deck zu spüren und daran, dass das Schiff plötzlich nicht mehr fuhr.
Durch das Stoppen der Maschinen
wurde auch Captain Smith wach, und erfuhr auf der Brücke von der Kollision. Die
Titanic war in 15 Schotten unterteilt und sollten zwei beliebige oder die erste
vier Schotten voll Wasser laufen konnte das Schiff weiterfahren. Durch die
Kollision mit dem Eisberg waren jedoch die ersten fünf Schotten geflutet.
Das Schiff würde innerhalb der nächsten eineinhalb Stunden
sinken!
Pater
Joseph wurde wahrscheinlich von Father Byles über den Unfall benachrichtigt, da
dieser zum Zeitpunkt der Kollision auf Deck war und den Eisberg gesehen hatte.
Nachdem er benachrichtigt wurde
begab sich auch Pater Joseph auf Deck, ohne jedoch, wie die meisten Menschen an
Bord, das gesamte Ausmaß des Schadens zu erkennen, waren doch viele von der
Unsinkbarkeit der Titanic überzeugt. Diese Überzeugung hielt sogar an, als die
Rettungsboote zu Wasser gelassen wurden und so wurden die ersten fünf
Rettungsboote mit weniger als der Hälfte an Personen abgefiert, als sie Kapazität
gehabt hätten.
Um wenigstens die Frauen und
Kinder zu retten schalteten sich jetzt Pater J. Peruschitz und Father Byles ein,
die von der Crew um Beistand gebeten worden waren und versuchten die Frauen zu
ermutigen in die Boote zu steigen.
Der Benediktinerpater Joseph Peruschitz aus Scheyern und
Pater Byles aus England waren, als die Katastrophe eintrat
und Frauen und Kinder in die Boote geschafft wurden, sofort
zur Hand, um allen,
soweit es möglich war, zu helfen. (2)
"Seine Gebete fortsetzend begleitete er (einer der
Priester) uns dorthin, wo die Rettungsboote
hinabgelassen wurden.
Als er den Frauen hinein half, flüsterte er ihnen die Worte
des Trostes und der Zuversicht zu." (3)
Die
Titanic sank inzwischen tiefer und tiefer und vielen Passagieren kam die
Erkenntnis, dass das hellerleuchtete Schiff nicht unsinkbar sei.
Dadurch war die Arbeit der
beiden Priester auf Deck beendet, sie gingen nun in die Räumlichkeiten der
Zweiten Klasse um dort Trost und Zuversicht zu spenden und um sich zu
vergewissern, dass auch alle Passagiere an Deck gebracht würden.
Um kurz vor 2:00 Uhr erschienen
die Priester wieder auf Deck, wo noch immer über 1500 Menschen auf einen Platz
in den Rettungsbooten warteten, welche schon fast alle zu Wasser gelassen waren.
Beiden Priestern war bewusst,
dass ihr Beistand in den kommenden Minuten dringend gebraucht werde. Die
Menschen sollten wissen, dass sie Gott nicht verlassen hatte. Die beiden
Priester lehnten sogar ab, als ihnen ein Platz in einem Rettungsboot angeboten
wurde, sie wollten für die Menschen an Bord da sein - und opferten so ihr Leben.
Um den Menschen ihre Todesangst
ein stückweit zu nehmen, beteten die beiden Priester mit ihnen.
Als das letzte Boot hinabgelassen war, sahen die Insassen
dieses Bootes ganz deutlich,
wie die beiden Priester den Rosenkranz vorbeteten,
und hörten,
wie eine große Anzahl kniender Passagiere in inbrünstigen
Gebeten antworteten.
Dann erloschen die Lichter der Titanic, so dass man nicht
mehr sehen konnte;
aber man hörte weder Jammergeschrei noch Schreckensrufe. (4)
Um etwa 2:20 Uhr des 15. Aprils 1912 sank die Titanic und
riss 1496 Menschen, darunter Pater Joseph Peruschitz und Father Byles, in den Tod.
(1) aus:
Lawrence Bessley; "The Loss Of The SS. Titanic" New York 1912
(2) aus: Zeitschrift
"America" New York 1912
(3) Zeugenaussage von Miss
Bertha Moran
(4) aus: Zeitschrift
"America" New York 1912
weiterlesen: Nach der Katastrophe
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