Allerheiligen 2009

Die Hl. Messe zum Hochfest Allerheiligen wurde vom Bayerischen Rundfunk (Bayern 1) live aus der Basilika der Benediktinerabtei Scheyern übertragen. Zelebrant und Prediger: Abt Markus Eller OSB

 

Einleitung:

Allerheiligenwetter nennen wir diese trübe, neblige Stimmung. Der Inhalt dieses Festes ist aber etwas ganz Anderes, nicht neblig und trüb, sondern etwas Farbenfrohes und Buntes. Wir schauen auf das Leben von so vielen Menschen, die diesem Jesus Christus in ihrem und durch ihr Leben nachgefolgt sind, die Glauben gelebt haben. Diesen Jesus Christus, der Menschen - jeden auf seine Weise - in seine Nachfolge ruft, bitten wir um seine Hilfe und um sein Erbarmen.

 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder hier in der Basilika

und an den Rundfunkgeräten!

 

Das Leben eines Menschen in einem Satz zusammenzufassen, den roten Faden eines Lebens aufzuzeigen oder das Leben eines Menschen in einem Motto auf den Punkt, auf einen Punkt zu bringen, ist gar nicht so leicht, und doch wird es immer wieder versucht. Es wird versucht in mancher Todesanzeige oder auf den Grabsteinen in unseren Friedhöfen.

Vor einigen Wochen wurde mir eine Todesanzeige zugeschickt, in der das auch versucht wurde und in der es, wie ich ganz persönlich meine, gelungen ist. In dieser Todesanzeige stand: Bis zuletzt brachte er die Menschen zum Lachen. Nun verließ er die Bühne des Lebens. Diesen Menschen, über den das gesagt wurde, durfte ich kennenlernen in der Zeit meines Pastoralpraktikums, das ich genau heute vor zehn Jahren begonnen habe.

Ich durfte diesen Menschen erleben und kennenlernen auf der einen Seite in seiner Rolle als Ko­miker, als Alleinunterhalter, in der er die Menschen zum Lachen brachte, bis sie die sprichwört­lichen Tränen in den Augen hatten. Ich habe diesen Menschen aber auch kennengelernt mit seinem Suchen und Fragen, mit den Zweifeln und Verletzungen, mit den Brüchen und Enttäuschungen seines Lebens.

In diesen Tagen mit Blick auf das heutige Fest Allerheiligen musste ich immer wieder an ihn denken, nicht nur weil in diesen Tagen die Verstorbenen mehr ins Blickfeld rücken als sonst, sondern weil wir an besondere Menschen denken, weil wir an diesem Tag an Heilige denken.

Bis zuletzt brachte er die Menschen zum Lachen. Nun verließ er die Bühne des Lebens. Ein Heiliger im „herkömmlichen oder klassischen Sinn“ war er bestimmt nicht, aber er war durch seine Gabe, Menschen zum Lachen zu bringen, ein besonderer Mensch. Die Gemeinschaft der Kirche wusste immer, dass es nicht nur die Heiligen im „klassischen Sinn“ gibt, sondern darüber hinaus noch viele andere Menschen, die durch ihr Leben anderen nicht nur geholfen haben, sondern auch ein Stück der Güte Gottes in dieser Welt sichtbar und erfahrbar gemacht haben.

Dass diese Güte Gottes nicht immer gleich auf der Hand liegt, das zeigen uns die sog. Selig­preisungen, von denen wir im Evangelium gehört haben, mehr als deutlich. Wenn Jesus da Arme, Hungernde, Trauernde und Beschimpfte selig preist, dann klingt das mehr als paradox. Was soll daran selig, glücklich, toll sein? Als „Arme Teufel“ werden sie wohl eher in den Augen und dem Denken dieser Welt gelten. Aber Jesus meint es durchaus ernst, denn es schwingt das „Trotzdem“ mit. Trotz alle dem lenkt Jesus den Blick in eine andere, in eine neue Zukunft.

In dieselbe Richtung weist der erste Johannesbrief, aus dem wir heute in der Lesung gehört haben: Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Zweifel und die Widerstände, die so ein Blick und solches Denken nach sich zieht, die werden nicht verschwiegen, sondern gleich angefügt: Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.

Trotzdem, trotz alle dem ist auch der Schreiber des ersten Johannesbriefes zutiefst davon überzeugt: Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Wir werden ihn sehen, wie er ist! Ein schöner Blick in die Zukunft, der Menschen zu allen Zeiten fasziniert und auch angespornt hat. Wir als benediktinische Klostergemeinschaft gehen bei unserem Chorgebet in und mit den Psalmen den Spuren nach diesem Gott und, wie er ist, oft nach. Viele Antworten finden sich darin: Zum Beispiel im Psalm 23, der vom guten Hirten handelt, der sich um die Menschen auch kümmert. So ist Gott!

Oder im Psalm 16, der mit den wunderbaren Worten endet: Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. So ist Gott! So ist es bei Gott!

Bis zuletzt brachte er die Menschen zum Lachen. Nun verließ er die Bühne des Lebens. Analog zu den Seligpreisungen möchte ich sagen: Selig, wer die Menschen zum Lachen bringt, die sonst nichts zu lachen haben.

Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Gut, dass es auch Menschen gibt und gab, die uns zum Lachen bringen können und uns so Freude vermitteln, denn vor Gottes Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu seiner Rechten Wonne für alle Zeit.

 

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