Musik, um Ungläubige gläubig zu machen

Bachs Johannespassion in der Scheyerer Basilika

Eines der eindrucksvollsten Werke der gesamten Kirchenmusik ist am Sonntag, den 25. März in Scheyern zu hören: Chor und Orchester der Basilika Scheyern unter Karl-Heinz Söndermann bringen mit Johann Sebastian Bachs erster erhaltener Passionsmusik, Johannespassion BWV 245, einen Gipfelpunkt der Gattung zur Aufführung. 

Die Ursprünge mehrstimmiger Passionsvertonungen reichen ins 13. Jahrhundert zurück. Etwa 500 Jahre später hatte sich als eine wesentliche Variante die sog. oratorische Passion in ihrer Mischung aus Bibelworten, Kirchenliedern und freien Texten etabliert. In dieser Tradition schrieb Bach seine „Passio secundum Ioannem“ zum Karfreitag 1724, kurz nachdem er das Amt des Leipziger Thomaskantors übernommen hatte.

Das zweiteilige Werk schildert in enger Anlehnung an den Text des Evangeliums zunächst Verrat und Gefangennahme Jesu und sodann Verhör vor Pilatus, Verurteilung und Kreuzigung bis hin zur Grablegung. Im Wechsel von Rezitativen mit dem Passionsbericht in der Luther-Übersetzung, von betrachtenden Ariosi und Arien auf meditativ-lyrische Texte und von assoziativen oder zusammenfassenden Chorälen ist das Geschen um die zentrale Gerichtsszene gruppiert. Nicht lediglich äußerlich „opernhaft“, sondern zur Vertiefung des Bibeltexts nutzt Bach in seiner Vertonung alle Möglichkeiten, die damals auch in der weltlichen Musik gebräuchlich waren und gestaltet auf diese Weise das Geschehen doch dramatischer als in seiner eher episch gehaltenen Matthäuspassion. Unter den insgesamt 68 Nummern des Werks finden sich elf Choralsätze und allein 14 Turba-Chöre der Volksmenge, so daß der Anteil des vierstimmigen Chores nicht zu Unrecht als das „eigentliche kompositorische Ereignis der Johannespassion“ bezeichnet wurde.

Zur Aufführung kommt am 25. März übrigens die bislang selten gespielte, da erst 2001 im Urtext erschienene vierte (und letzte) Fassung des Werks, aus dem Jahr 1749. Sie weist in Einzelheiten musikalische Revisionen auf, ist textlich an einigen Stellen verändert und zum Teil anders instrumentiert. Dennoch steht sie im Vergleich zu den anderen Versionen der Urfassung von 1724 am nächsten.

Ab 14 Uhr gibt Prof. Dr. Theodor Seidl, Ordinarius an der Katholisch-Theologi­schen Fakultät der Universität Würzburg, in der Johanneskirche des Klosters Scheyern eine theologisch-musikalische Einführung in das Werk, dessen beide Teile im Anschluß daran ab 15 und 17 Uhr in der Basilika erklingen. Im Kreuzgang der Abtei findet zur Passion eine „Ecce homo Ausstellung“ von Kollegiaten des Schyren-Gymnasiums statt.

Für die solistischen Partien verpflichtete der musikalische Leiter Karl-Heinz Söndermann renommierte Sänger: Als Evangelist konnte der lyrische Tenor Frieder Lang gewonnen werden. Als Preisträger diverser Gesangswettbewerbe begann Lang nach einem umfassenden Studium eine rege Konzerttätigkeit, als Gast großer Opernhäuser wie bei renommierten Festspielen, darunter Auftritte mit den Berliner Philharmonikern, dem Israel Philharmonic Orchestra unter Dirigenten wie Corboz, Richter, Rilling oder Sawallisch; Langs umfassendes Repertoire ist auch seiner umfangreichen Diskographie abzusehen, wo sich u. a. Aufnahmen mit J. E. Gardiner finden. Professor Frieder Lang unterrichtet Gesang an den Hochschulen für Musik Bern-Biel und München.
Die Partie des Jesus übernimmt Thomas Hohenberger, ehemals Absolvent der BOS Scheyern. Nach seinem Gesangsstudium am Münchener Richard-Strauss-Konservatorium (Diplom im Bereich Musiktheater/Operngesang) ist Hohenberger seit der Spielzeit 2003/2004 festes Mitglied im Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz. In Scheyern war er bereits 2005 eindrucksvoll als „Elias“ zu hören.
Die Schweizer Sopranistin Marni Schwonberg, dem einheimischen Publikum durch ihre Mitwirkung an der Scheyerer „Don Giovanni“-Messe aus dem letzten Jahr bekannt, absolvierte ihr Gesangsstudium mit dem Schwerpunkt Barockmusik an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis; die Solistin beim Vokalensemble „cantus firmus Solothurn“ und bei den „Basler Vokalsolisten“ stellt ihre Spezialisierung auf die Musik des Barock auch auf der Opernbühne in Rollen von Händel bis Piccinni unter Beweis.
Gleichfalls aus der Schweiz stammt die Altistin Barbara Erni; sie war Schülerin von Frieder Lang an der Hochschule der Künste Bern, in der Konzert- und Opernklasse bei Hans Peter Blochwitz sowie am Schweizer Opernstudio in Biel. Noch vor ihrem Studienabschluß folgte im Herbst 2005 das erste Engagement am Stadttheater Biel Solothurn, wo die Künstlerin – neben solistischen Auftritten als Konzert- und Oratoriensängerin – derzeit u. a. als Juno in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ zu hören ist.
Der Sänger der Baß-Arien, Nikolai Ardey, braucht dem heimischen Publikum nicht eigens vorgestellt zu werden: Der ständige Baß-Solist des Basilika-Chores hat sich in kurzer Zeit weit über die Region München-Ingolstadt hinaus einen Namen erworben und kann mittlerweile eine eindrucksvolle Liste von Konzertverpflichtungen im gesamten süddeutschen Raum vorweisen.

 Es wirken mit Chor und Orchester der Basilika Scheyern, Chor und Orchester des Schyren-Gymnasiums Pfaffenhofen (Einstudierung: Christiane Sauer) Die Gesamtleitung liegt bei Karl-Heinz Söndermann.

Karten sind im Vorverkauf im Klosterladen Scheyern (Tel.: 0 84 41/7 52-2 49) erhältlich.