Die
Ursprünge mehrstimmiger Passionsvertonungen reichen ins 13. Jahrhundert
zurück. Etwa 500 Jahre später hatte sich als eine wesentliche Variante die
sog. oratorische Passion in ihrer Mischung aus Bibelworten, Kirchenliedern und
freien Texten etabliert. In dieser Tradition schrieb Bach seine „Passio
secundum Ioannem“ zum Karfreitag 1724, kurz nachdem er das Amt des Leipziger
Thomaskantors übernommen hatte.
Das zweiteilige Werk schildert in enger
Anlehnung an den Text des Evangeliums zunächst Verrat und Gefangennahme Jesu
und sodann Verhör vor Pilatus, Verurteilung und Kreuzigung bis hin zur
Grablegung. Im Wechsel von Rezitativen mit dem Passionsbericht in der Luther-Übersetzung,
von betrachtenden Ariosi und Arien auf meditativ-lyrische Texte und von
assoziativen oder zusammenfassenden Chorälen ist das Geschen um die zentrale
Gerichtsszene gruppiert. Nicht lediglich äußerlich „opernhaft“, sondern
zur Vertiefung des Bibeltexts nutzt Bach in seiner Vertonung alle Möglichkeiten,
die damals auch in der weltlichen Musik gebräuchlich waren und gestaltet
auf diese Weise das Geschehen doch dramatischer als in seiner eher episch
gehaltenen Matthäuspassion. Unter den insgesamt 68 Nummern des Werks
finden sich elf Choralsätze und allein 14 Turba-Chöre der Volksmenge, so daß
der Anteil des vierstimmigen Chores nicht zu Unrecht als das „eigentliche
kompositorische Ereignis der Johannespassion“ bezeichnet wurde.
Zur
Aufführung kommt am 25. März übrigens die bislang selten gespielte, da erst
2001 im Urtext erschienene vierte (und letzte) Fassung des Werks, aus dem Jahr
1749. Sie weist in Einzelheiten musikalische Revisionen auf, ist textlich an
einigen Stellen verändert und zum Teil anders instrumentiert. Dennoch steht sie
im Vergleich zu den anderen Versionen der Urfassung von 1724 am nächsten.
Ab 14 Uhr gibt
Prof. Dr. Theodor Seidl, Ordinarius an der Katholisch-Theologischen Fakultät
der Universität Würzburg, in der Johanneskirche des Klosters Scheyern eine
theologisch-musikalische Einführung in das Werk, dessen beide Teile im Anschluß
daran ab 15 und 17 Uhr in der Basilika erklingen. Im Kreuzgang der Abtei findet
zur Passion eine „Ecce homo Ausstellung“ von Kollegiaten des
Schyren-Gymnasiums statt.
Für
die solistischen Partien verpflichtete der musikalische Leiter Karl-Heinz
Söndermann renommierte Sänger: Als Evangelist konnte der lyrische Tenor Frieder
Lang gewonnen werden. Als Preisträger diverser Gesangswettbewerbe begann
Lang nach einem umfassenden Studium eine rege Konzerttätigkeit, als Gast
großer Opernhäuser wie bei renommierten Festspielen, darunter Auftritte mit
den Berliner Philharmonikern, dem Israel Philharmonic Orchestra unter Dirigenten
wie Corboz, Richter, Rilling oder Sawallisch; Langs umfassendes Repertoire ist
auch seiner umfangreichen Diskographie abzusehen, wo sich u. a. Aufnahmen mit J.
E. Gardiner finden. Professor Frieder Lang unterrichtet Gesang an den
Hochschulen für Musik Bern-Biel und München.
Die Partie des Jesus übernimmt Thomas Hohenberger, ehemals Absolvent der
BOS Scheyern. Nach seinem Gesangsstudium am Münchener
Richard-Strauss-Konservatorium (Diplom im Bereich Musiktheater/Operngesang) ist
Hohenberger seit der Spielzeit 2003/2004 festes Mitglied im Chor des
Staatstheaters am Gärtnerplatz. In Scheyern war er bereits 2005 eindrucksvoll
als „Elias“ zu hören.
Die Schweizer Sopranistin Marni Schwonberg, dem einheimischen Publikum
durch ihre Mitwirkung an der Scheyerer „Don Giovanni“-Messe aus dem letzten
Jahr bekannt, absolvierte ihr Gesangsstudium mit dem Schwerpunkt Barockmusik an
der renommierten Schola Cantorum Basiliensis; die Solistin beim Vokalensemble
„cantus firmus Solothurn“ und bei den „Basler Vokalsolisten“ stellt ihre
Spezialisierung auf die Musik des Barock auch auf der Opernbühne in Rollen von
Händel bis Piccinni unter Beweis.
Gleichfalls aus der Schweiz stammt die Altistin Barbara Erni; sie war
Schülerin von Frieder Lang an der Hochschule der Künste Bern, in der Konzert-
und Opernklasse bei Hans Peter Blochwitz sowie am Schweizer Opernstudio in Biel.
Noch vor ihrem Studienabschluß folgte im Herbst 2005 das erste Engagement am
Stadttheater Biel Solothurn, wo die Künstlerin – neben solistischen
Auftritten als Konzert- und Oratoriensängerin – derzeit u. a. als Juno in
Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ zu hören ist.
Der Sänger der Baß-Arien, Nikolai Ardey, braucht dem heimischen
Publikum nicht eigens vorgestellt zu werden: Der ständige Baß-Solist des
Basilika-Chores hat sich in kurzer Zeit weit über die Region
München-Ingolstadt hinaus einen Namen erworben und kann mittlerweile eine
eindrucksvolle Liste von Konzertverpflichtungen im gesamten süddeutschen Raum
vorweisen.
Es wirken mit Chor und Orchester der Basilika Scheyern, Chor
und Orchester des Schyren-Gymnasiums Pfaffenhofen (Einstudierung: Christiane
Sauer) Die Gesamtleitung liegt bei Karl-Heinz Söndermann.
Karten sind im Vorverkauf im Klosterladen Scheyern (Tel.: 0 84 41/7 52-2 49) erhältlich.