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Gräfin Haziga Klostergründerin: Aus der Geschichte unseres Klosters

Als Gründerin des Klosters gilt die Gräfin Haziga. Als Witwe ihres 2. Gemahls, des Grafen Otto II. von Scheyern, überließ sie um 1076 den Eremiten Otto und Adalprecht ein Waldgebiet beim heutigen Bayrischzell zur Gründung einer Einsiedelei. Diese „Zelle“ schenkte Haziga kurze Zeit später dem Benediktiner-Reformkloster Hirsau, das um 1080 12 Mönche und Laienbrüder zur Errichtung eines Klosters sandte. Noch vor 1087 siedelte der Konvent in das günstiger gelegene Fischbachau über, das bis zur Säkularistion 1803 als Propstei des Klosters Scheyern fortbestand. Das dortige Martinsmünster gilt als der älteste noch erhaltene Hirsauer Bau in Bayern.

Um 1104 veranlaßte Graf Otto III. von Scheyern die Verlegung dieses Klosters auf den Petersberg bei Eisenhofen-Dachau. Die dortige Kirche zeigt in herausragender Weise die Hirsauer Baukunst. 1119 wandelte Otto V., der sich bereits Graf von Wittelsbach nannte, seine verlassene Stammburg Scheyern in ein Kloster um, das bis 1253 als Begräbnisstätte seines Hauses dienen sollte und in das die Benediktiner vom Petersberg zogen. Zum Schutz gegen weltliche Bevormundung wurde es direkt dem päpstlichen Stuhl unterstellt, dennoch übten die Wittelsbacher aber die Vogtei aus.

Auch in Scheyern haben die Mönche die Kirche und die ganze Klosteranlage nach dem Hirsauer Schema gebaut, dessen Grundmaß ein „Einheits-Quadrat“ von in Scheyern 9,6 m (32 Fuß) ist, welches noch gut nachweisbar ist. Bei der Anlage des Klosters wurde ein Teil der Burg niedergelegt und die eigentliche Klosteranlage so nach Osten ausgerichtet, daß die Kapitelkirche mit der Wittelsbacher Grablege in die Nähe der bisherigen Begräbnisstätte und der Burgkapelle kam.

An die der Überlieferung nach im Jahre 996 stattgefundene Verlobung zwischen König Stephan von Ungarn und der bayerischen Prinzessin Gisela, der Schwester von Kaiser Heinrich II., in der damaligen Burgkapelle erinnert noch der Name der angrenzenden Königskapelle. Vermutlich baute man anstelle der alten Marienkirche die romanische Basilika. Wohl glaubte man deshalb zunächst auf eine neue Weihe verzichten zu können.

Kurz nach der Gründung des Klosters wurde im Jahre 1144 eine eigene Pfarrkirche zu Ehren des Hl. Martin auf dem Gebiet des heutigen Pfarrfriedhofes gebaut (abgebrochen 1806). Aber schon 1171 und 1183 wurde das Kloster ein Raub der Flammen. Abt Baldemar (1171-1203), in dessen Regierungszeit durch Graf Konrad III. von Dachau die Kreuzreliquie in das Kloster kam, stellte nach überkommenen Plänen zunächst die mit dem Kapitelsaal verbundene Johanneskirche wieder her.

Die Klosterkirche konnte erst am 9. Oktober 1215 konsekriert werden. Sie war eine dreischiffige romanische Basilika ohne Querschiff und Krypta mit Stützenwechsel und 3 Apsiden, etwa 15 m kürzer als heute, hatte aber im Westen eine Vorhalle von ungefähr 15x10 m im Geviert. An der Südseite dieser Vorhalle erbaute Abt Konrad (1206-1226) die sogenannte Allerheiligenkapelle (später Dreikönigskapelle), die von Patriarch Wolfker von Aquileja geweiht wurde. Abt Heinrich (1226-1259) fügte eine Katharinenkapelle und den wuchtigen Turm hinzu.

In dieser Zeit befand sich in Scheyern eine hervorragende Schreibschule. Die hier u. a. vom Mönch Konrad geschriebenen und illustrierten Bücher (um 1220) wurden stilbildend im Süddeutschen Raum. Heute befinden sich diese herrlichen Codices, die so typisch für die Hirsauer Kunst sind, in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Die gotische Bauperiode begann mit Abt Johannes I. von Tegernbach (1436-1449), der den Turm um ein Stockwerk erhöhte, einen neuen Hochaltar anschaffte und an der Südostseite der Kirche nach Entfernung der rechten Apsis eine geräumige Sakristei in zwei Geschossen errichtete (jetzt Königskapelle). Abt Georg I. Sperl (1467-1489) führte im Norden des Chores eine neue Sakristei, westlich davon eine Johanneskapelle (nicht mit der Johanneskirche identisch!) auf und ließ Teile des Kreuzganges neu eindecken.

Abt Johannes III. Hirschbeck (1548-1558) baute die Kapitelkirche (Johanneskirche) um und vollendete wohl auch die Einwölbung des Kreuzganges. Spätestens unter Abt Georg II. Neubeck (1558-1574) muss die Kirche um etwa 7 m verlängert worden sein und ihr Tonnengewölbe mit Stichkappen erhalten haben, wobei u. a. die runden Stützen zur Verstärkung ummauert und der mittelalterliche Lettner entfernt wurde. Er errichtete auch die Elisabethenkapelle, die heute in unveränderter Form als einer der letzten gotischen Bauten in Bayern noch erhalten ist.

Unter Abt Benedikt I. Prummer (1574-1610) begann der Neubau des Konventbaues mit Bibliothek, der von Abt Stephan Reitberger (1610-1634) vollendet wurde und im wesentlichen in dieser Gestalt heute noch erhalten ist. Dieser unterzog 1623 die Kapitelkirche einer gründlichen Erneuerung im Renaissancestil und fügte zwei Seitenkapellen an. Die ursprünglich an die Wand gemalten Fürstenbilder wurden auf Holztafeln übertragen. Abt Korbinian Riegg (1634-1658) besserte die Schäden des Dreißigjährigen Krieges aus, schaffte eine neue Einrichtung der Klosterkirche an, ließ die Kirche und Teile des Kreuzganges mit schwerem Rahmenwerk stuckieren und fügte im Norden zwischen Sakristei und Johanneskapelle eine Rosenkranzkapelle an (Bruderschaft gegr. 1624).

Abt Cölestin Baumann (1693-1708) ließ 1697 durch Augsburger Meister die Sakristei ausstatten, wobei die ältere Kassettendecke aus der Renaissancezeit erhalten blieb. Nach einem Blitzschlag 1656 erhielt der Turm statt des gotischen Spitzhelms eine gewaltige Laterne. 1738/39 entstand am Südwestende der Kirche unter Einbeziehung der bisherigen Allerheiligen- bzw. Dreikönigskapelle und Katharinenkapelle die Kreuzkapelle und ihr gegenüber im Norden die Kindheit-Jesu-Kapelle (seit 1806 nach Abriss der alten Pfarrkirche Marinskapelle). Unter Abt Plazidus Forster (1734-57) erhielt auch der prächtige Bibliothekssaal seine noch heute erhaltene Ausstattung.

Abt Joachim Herpfer (1757-1771) führte 1768-1770 eine völlige Umgestaltung der Kirche im Geschmack des Spätrokoko durch. Durch Verlängerung des Mitelschiffes um 8 m wurde im Westen Raum für eine 12 m tiefe Empore gewonnen als Psallier- und Musikchor, der schöne eichene Stallen erhielt (jetzt im Altarraum); ferner wurden die ursprünglich romanischen Fenster birnenförmig erweitert, die Kapellen am nördlichen Seitenschiff zu einem neuen Seitenschiff vereinigt, endlich die ganze Kirche neu eingerichtet, wobei auch die Pfeiler zum Teil Seitenaltäre erhielten. Von ihm wurde auch ein neuer Meierhof, der sogenannte Prielhof, 1758 errichtet.

Nach der Aufhebung des Klosters am 21. März 1803 wurde die Pfarrkirche St. Martin abgerissen (1805/06); die Stiftskirche wurde Pfarrkirche. Sie blieb verhältnismäßig gut erhalten, während die Klostergebäude unter den rasch wechselnden Besitzern (5 in 35 Jahren!) stark verfielen. 1837, ein Jahr vor der Wiedererrichtung des Klosters (zunächst als selbständige Propstei, ab 1843 wieder Abtei), ließ König Ludwig I. durch Friedrich von Gärtner die Turmlaterne durch einen neuromanischen Spitzhelm ersetzten.

1876-1878 wurde die Stifts- und Pfarrkirche einschneidend reromanisiert: Die Seitenschiffe wurden westlich auf gleiche Länge mit dem Mittelschiff gebracht und die Empore wurde verkürzt. Die Pfeileraltäre wurden entfernt, Teile des Stuckes abgeschlagen wie auch die Rokokofresken Joh. Gg. Dieffenbrunners durch themengleiche Nazarenerbilder ersetzt.

Die Königskapelle, ebenfalls in dieser Weise (1893) erneuert, wurde durch einen Zwischenbau mit der Sakristei verbunden. Der 1. Weltkrieg verhinderte die Ausführung neuer größerer Pläne. So beließ es Abt Simon Landersdorfer (1922-1936) bei einer das Werk Herpfers wiederherstellenden Restauration (1923/24). Nur die Fresken wurden neu geschaffen. 1936 wurde westlich der Kirche ein neuer Klosterfriedhof angelegt, den Abt Franz Schreyer vollendete.

Die letzte Außenrenovierung der Kirche fand ab 1965 unter Abt Johannes M. Hoeck (1961-1972) und dessen Nachfolger Abt Bernhard M. Lambert (seit 1972) statt; 1974-1980 folgte die gründliche Restaurierung des Kircheninnern. Zu erwähnen ist vor allem die Neugestaltung des Chores entsprechend den liturgischen Bedürfnissen unserer Zeit. Anlässlich verschiedener Jubiläen (1500. Geburtstag des hl. Benedikt, 800 Jahre Scheyrer Kreuz, 800 Jahre Wittelsbacher und Bayern) wurde die Stifts- und Pfarrkirche am 9. März 1980 von Papst Johannes Paul II. zur „Basilica minor“ erhoben.

Im Kloster Scheyern erlangte schon im 13. Jh. Malschule und Skriptorium, ab dem Spätmittelalter auch Wissenschaft und Seelsorge große Bedeutung. Die Mönche übernahmen auch Lehre und Erziehung, im 19. Jh. mit einem erzbischöflichen Knabenseminar, nach dem 2. Weltkrieg mit einem Humanistischen Gymnasium (seit 1970 fortgeführt im Schyrengymnasium Pfaffenhofen) und heute mit einem Wohnheim für die 1976 eröffnete Staatliche Berufsoberschule.

Neben zahlreichen seelsorglichen Aufgaben betreibt die Abtei weiterhin ein Byzantinisches Institut, wo eine Neuausgabe der Schriften des hl. Johannes von Damaskus erarbeitet wird. Auch zahlreiche handwerkliche Betriebe sollen nicht unerwähnt bleiben, wie Buchbinderei, Schneiderei und Wäscherei, Gärtnerei, Brauerei, Klosterschenke und Klostermetzgerei, Imkerei und Schreinerei sowie Elektro- und Malerwerkstatt. Während der Klosterforst und teilweise auch die Fischteiche vom Kloster noch selbst bewirtschaftet werden, beherbergt der stattliche Pielhof  mit den umliegenden Feldern den Forschungsverbund Agrarökosystem München (FAM) der Technischen Universität München und der GSF-Forschungsgesellschaft für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg. Das Kloster bietet auch Möglichkeit zu Tagungen, Exerzitien und zur Teilnahme am klösterlichen Leben.

Scheyern war nie ein großes Kloster. Diese Tatsache hat schon den romanischen Bau in Ausdehnung und Form bestimmt. Aber immer war die Benediktinerabtei in ihrer über 900-jährigen Geschichte, die viele Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Seelsorge, der Erziehung und Wissenschaft, der christlichen Kunst und Buchpflege wie der Musik aufzuweisen hat, bemüht, all ihr Tun so zu ordnen, „dass in allem Gott verherrlicht wird“ (Regula Benedicti).

Weitere Informationen:

P. Anselm Reichhold, Chronik von Scheyern – Von den ersten Anfängen bis zu Gegenwart, Weißenhorn 1998
Kleiner Kunstführer Scheyern, Verlag Schnell & Steiner, Nr. 338, Regensburg 2000
Beide Bücher sind im Klosterladen Scheyern erhältlich bzw. werden gerne auf Bestellung zugesandt.