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Der Untergang der Titanic

Nachdem die Titanic vom letzten europäischen Hafen in Queenstown abgelegt hatte nahm sie Kurs auf Amerika. Die Katastrophe ereignete sich etwa 500 km südlich der Insel Neufundland, die Stelle hat etwa 40 Grad nördliche Breite und 50 Grad westliche Länge. Die Titanic erreichte diese Stelle nach etwa vier Tagen, was einer Geschwindigkeit von 41,6 km/h entspräche. Bei dieser Geschwindigkeit hätte die Fahrt nach New York noch etwa zwei Tage gedauert.

Auf dem Schiff hielten Pater J. Peruschitz und ein weiterer Priester, Father Byles aus Großbritannien, jeden Tag Gottesdienste. Zuerst nur in der dritten Klassen, dann auch in der zweiten Klasse, in der sie selbst auch untergebracht waren. Bei den Gottesdiensten in der dritten Klasse waren mehrere hundert Menschen anwesend und Pater Joseph predigte in ungarisch und deutsch, Father Byles in englisch und französisch. Die religiöse Feier in der ersten Klasse wurde von Captain Edward John Smith geleitet.

Auch am Sonntagmorgen hielten die beiden Priester erst in der dritten und dann in der zweiten Klasse einen Gottesdienst ab, bevor sie ihr Mittagessen einnahmen und sich am Nachmittag wie viele andere Passagiere der zweiten Klasse in die Bibliothek zurückzogen, da an Deck extreme Kälte herrschte.

"In der Mitte des Raumes hielten sich zwei katholische Priester auf, einer leise lesend - entweder Engländer oder Ire (Byles), und wahrscheinlich der höhergestellte -, der andere dunkel, bärtig, mit einem breitkrempigen Hut, einem Freund auf deutsch etwas ins Ohr flüsternd und dauernd Textstellen aus der Bibel erklärend, die aufgeschlagen vor ihm lag." (1)

Am Abend beteten die beiden Priester mit den Menschen der dritten Klasse und erteilten den Segen Gottes, bevor sie das Zwischendeck wieder verließen um an einem Kirchenliederabend teilzunehmen. Nachdem um 22 Uhr noch Tee und andere Erfrischungen verteilt wurden, schloss Reverend Carter den Abend mit einem Gebet für alle, die bisher ihr Leben im Meer eingebüßt hatten und verkündete, dass dies wohl nicht der letzte Liederabend auf der Titanic sein werde.

Es kehrte Stille auf der Titanic ein. Diese Stille wurde um etwa 23:40 Uhr durch den dreimaligen Glockenschlag vom Krähennest zerrissen. Der Späher Fleet meldete der Brücke die drei Worte, die das Leben von knapp 2000 Menschen und die Geschichte für immer verändern sollten:

"Eisberg direkt voraus!"

Der Erste Officer W. McMaster Murdoch, der zu diesem Zeitpunkt das Kommando inne hatte ließ das Ruder "hart Steuerbord" drehen und alle Maschinen rückwärts laufen. Doch es war zu spät! Der Eisberg hatte die Titanic unter der Wasseroberfläche beschädigt. Auf der Titanic war dies nur durch ein leichtes Zitter und einige Eisblocken auf dem Deck zu spüren und daran, dass das Schiff plötzlich nicht mehr fuhr.

Durch das Stoppen der Maschinen wurde auch Captain Smith wach, und erfuhr auf der Brücke von der Kollision. Die Titanic war in 15 Schotten unterteilt und sollten zwei beliebige oder die erste vier Schotten voll Wasser laufen konnte das Schiff weiterfahren. Durch die Kollision mit dem Eisberg waren jedoch die ersten fünf Schotten geflutet. Das Schiff würde innerhalb der nächsten eineinhalb Stunden sinken!

Pater Joseph wurde wahrscheinlich von Father Byles über den Unfall benachrichtigt, da dieser zum Zeitpunkt der Kollision auf Deck war und den Eisberg gesehen hatte. Nachdem er benachrichtigt wurde, begab sich auch Pater Joseph auf Deck, ohne jedoch, wie die meisten Menschen an Bord, das gesamte Ausmaß des Schadens zu erkennen, waren doch viele von der Unsinkbarkeit der Titanic überzeugt.

Diese Überzeugung hielt sogar an, als die Rettungsboote zu Wasser gelassen wurden und so wurden die ersten fünf Rettungsboote mit weniger als der Hälfte an Personen abgefiert, als sie Kapazität gehabt hätten. Um wenigstens die Frauen und Kinder zu retten, schalteten sich jetzt Pater J. Peruschitz und Father Byles ein, die von der Crew um Beistand gebeten worden waren, und versuchten die Frauen zu ermutigen in die Boote zu steigen.

"Der Benediktinerpater Joseph Peruschitz aus Scheyern und Pater Byles aus England waren, als die Katastrophe eintrat und Frauen und Kinder in die Boote geschafft wurden, sofort zur Hand, um allen,
soweit es möglich war, zu helfen." (2)

"Seine Gebete fortsetzend begleitete er (einer der Priester) uns dorthin, wo die Rettungsboote hinabgelassen wurden. Als er den Frauen hinein half, flüsterte er ihnen die Worte des Trostes und der Zuversicht zu." (3)

Die Titanic sank inzwischen tiefer und tiefer und vielen Passagieren kam die Erkenntnis, dass das hellerleuchtete Schiff nicht unsinkbar sei. Dadurch war die Arbeit der beiden Priester auf Deck beendet, sie gingen nun in die Räumlichkeiten der Zweiten Klasse, um dort Trost und Zuversicht zu spenden und um sich zu vergewissern, dass auch alle Passagiere an Deck gebracht würden.

Um kurz vor 2:00 Uhr erschienen die Priester wieder auf Deck, wo noch immer über 1500 Menschen auf einen Platz in den Rettungsbooten warteten, welche schon fast alle zu Wasser gelassen waren. Beiden Priestern war bewusst, dass ihr Beistand in den kommenden Minuten dringend gebraucht werde. Die Menschen sollten wissen, dass sie Gott nicht verlassen hatte. Die beiden Priester lehnten sogar ab, als ihnen ein Platz in einem Rettungsboot angeboten wurde, sie wollten für die Menschen an Bord da sein - und opferten so ihr Leben.
Um den Menschen ihre Todesangst ein stückweit zu nehmen, beteten die beiden Priester mit ihnen.

"Als das letzte Boot hinabgelassen war, sahen die Insassen dieses Bootes ganz deutlich, wie die beiden Priester den Rosenkranz vorbeteten, und hörten,
wie eine große Anzahl kniender Passagiere in inbrünstigen Gebeten antworteten.
Dann erloschen die Lichter der Titanic, so dass man nicht mehr sehen konnte;
aber man hörte weder Jammergeschrei noch Schreckensrufe." (4)

Um etwa 2:20 Uhr des 15. Aprils 1912 sank die Titanic und riss 1496 Menschen, darunter Pater Joseph Peruschitz und Father Byles, in den Tod.

(1) aus: Lawrence Bessley; "The Loss Of The SS. Titanic" New York 1912
(2) aus: Zeitschrift "America" New York 1912
(3) Zeugenaussage von Miss Bertha Moran
(4) aus: Zeitschrift "America" New York 1912