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Die Nachricht von der Katastrophe

Nach der Katastrophe der Titanic erhob sich verständlicherweise eine weltweite Bestürzung über dieses Ereignis. Dies ist auch aus dem Tagebuch des Abtes von Scheyern und aus dem Briefen ersichtlich, die noch erhalten sind. Wie die Nachricht vom Tod des Pater Joseph Peruschitz im Kloster aufgenommen wurde soll hier anhand der Tagebucheinträge des Abtes nachvollzogen werden.

Tagebuch des Abtes Rupert Metzenleitner:

"22. April, Heute vor 17 Jahren ist P. Joseph hier zum Priester geweiht worden und heute bekomme ich vom Herrn Abt Erkenwald von Ramsgate einen Brief, der die Befürchtung enthält, das Pater Joseph am 15. April mit der Titanic untergegangen sei, weil seine Nummer sich nicht in der Liste der Geretteten befand. Die Titanic, das größte bisher gebaute Schiff, ist einem Eisberg am 14. nachts zusammengestoßen und nach ein paar Stunden mit 1635 Menschen untergegangen.

Pater Joseph hat sich bei seiner Abreise am 30. März unter den mächtigen Schutz des Heiligen Joseph vertrauensvoll gestellt. Möge sein und unser Vertrauen sich begründet erweisen. Ich habe heute für ihn die Heilige Messe gelesen und ihn tecto nomine (unter verdeckten Namen) gestern den Patres und Brüdern dringend ins Gebet befohlen. In manibus tuis, bone Pastor, sortes nostrae (In deinen Händen, guter Hirte liegen unsere Schicksale)"

Die Familie des Pater Joseph wusste von der Reise nach Amerika nichts. Umso erschütterlicher wurde die böse Überraschung, als der Abt zusammen mit dem Ortspfarrer die Familie aufsuchte, um sie auf den Tod ihres Sohnes und Bruders vorzubereiten. Abschließend bekam die Familie Peruschitz aus dem "Titanic Relief Fund" eine Entschädigung von 60 englischen Pfund ausgezahlt. Eine Regionalzeitung griff auch nach dem Tod von Mathias Peruschitz am 24. April 1923 das Leid seines Sohnes kurz auf:

"...Tiefes Leid brachte ihm (Mathias) der Tod seiner 25jährigen Tochter Anna. Noch größer war der Schmerz, als die Kunde kam, dass sein Sohn Pater Joseph mit der sinkenden Titanic ein kühles Grab im Weltmeere gefunden habe. Damals griff das Leid an den Lebensnerv und nur ein starkes Gottvertrauen hielt ihn noch aufrecht."

Am 4. Mai erreichte das Kloster Scheyern die Nachricht vom sicheren Tod des Pater Joseph Peruschitz:

"Das amerikanische Reisebüro L. Dierschenk-München berichtete am 2. Mai 1912, ins Scheyrer-Kolleg: Hierdurch die höfliche Mitteilung dass wie ich heute aus dem New York Herald ersehe, der Priester Herr Peruschitz unter den vermissten Passagieren der Zweiten Klasse des Dampfers Titanic befindet. Das gleich meldet Fr. Fanny Peruschitz heute, welche am 2. Mai zur Niederlassung der White Star Line sich begeben und erkundigt hatte. Es wurde auch gesagt, dass Pater Joseph nachgewiesen einer der letzten gewesen sei, die an Bord waren. So ist an seinem Tode nicht mehr zu zweifeln.
In Gottes Namen. R.I.P."

Das Konvent Scheyern machte keinen großen Wirbel um das Ableben des Pater Joseph Peruschitz. Es herrschte die unumstößliche Meinung, dass Pater Joseph seine Pflicht als Priester voll und ganz erfüllt hatte, wie es jeder Geistliche an seiner Stelle auch getan hätte. 

Viele Menschen aus der Heimat des Paters waren der Ansicht, dass ein großer Gedenkstein im Klostergarten errichtet werden müsse. Doch im Kloster erinnert  heute nur eine kleine Gedenktafel (Inschrift: "P. Joseph Peruschitz, O.S.B. der sich auf diesem berühmten Schiff Titanic gottesfürchtig geopfert hat") aus Solnhofener Kalkstein im Ostflügel des Kreuzgangs , wo jeder Klosterangehörige bis 1937 auch ohne ein geschichtliches Großereignis die gleiche Grabtafel zum Gedenken bekam, frei nach der Mönchsregel der Gleichheit untereinander.