Neue Glocken - Die Entstehungsgeschichte

Im Laufe des Jahres 2009 werden von der Firma Perner aus Passau  zu den beiden noch vorhandenen Bronzeglocken sechs neue Glocken dazu gegossen. Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen die Entstehungsgeschichte fortlaufend und dem aktuellen Baufortschrift angepasst.

Die Entstehungsgeschichte unserer neuen Scheyrer Glocken
Text und Grafik mit freundlicher Genehmigung der Glockengießerei Perner
 

Der Klang der Glocke als Idee wird auf ein Holzbrett, die sogenannte „Rippe“, konstruiert. Eine dreiteilige Glockenform, bestehend aus Kern, falscher Glocke und Mantel wird gebaut. Der Formenbau beginnt mit dem Mauern des Kerns, der Schicht für Schicht mit Lehm umkleidet wird.
Nach dem Trocknen der letzten Schicht der Glockeninnenform (Kern) wird darauf die falsche Glocke, ebenfalls aus mehreren Lehmschichten modelliert. Das 1:1 Modell wird mit einer hauchzarten Schicht aus Rinderfett überzogen. Wachserne Ornamente, handgeschnitzte Schriftzeichen und Reliefbilder sowie das Gießerzeichen werden nun auf das Modell angebracht.

Feiner Lehm nach einem besonderem Rezept aus verschiedenen Lehmmehlen, Schamotten und Graphit wird nun in vielen Schichten dünn aufgetragen. Langsames Trocknen an der Luft ist wesentlich für die gute Oberfläche und genaue Abbildung der Ornamente.
Dieser feine Lehm wird mit starken Mantellehmschichten stabilisiert. Nach Wochen der Trocknung kann die so entstandene dreiteilige Form in ihre einzelnen Teile zerlegt werden. Die mittlere Form  - die falsche Glocke – wird entfernt, Kern und Mantel wieder zusammengesetzt. Zwischen ihnen ist der Hohlraum für die Bronzeglocke entstanden. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.glocke.com/

Die „Aufhängung der Glocke“ nennt man in der Fachsprache „Krone“. Auf den einzelnen Bügeln sind traditionellerweise nicht selten „maskenhafte“ Gesichter zu sehen, so auch auf den neu zu gießenden Glocken der Basilika. Auf den Scheyrer Glocken werden auf den sechs Bügeln einer Krone jeweils drei verschiedene „Gesichter“ zu sehen sein: Ein rufender bzw. verkündigender Mönch, ein hörender Mönch und ein betender Mönch.


Hier sehen Sie die ersten Fotos der Glocke

 

Ein Blick in die Glockenwerkstatt

Die Gießerei

 

Der gemauerte Kern (Glockeninnenform)
 
"Falsche Glocke" - Vorderseite
 
"Falsche Glocke" - Rückseite
 

Der rufende (verkündende) Mönch

 

Der hörende Mönch

 

Der betende Mönch

Der Glockenguss - Beschreibung

Die hohle Glockenform wird nun in die Erde eingesetzt und der Glockenguss wird vorbereitet. Die Formen werden in die Erde eingegraben, vom Ofen wird ein Gusskanal zu den einzelnen Glockenformen gelegt.
Der massive Flammofen wird angeheizt, Kupfer und Zinn erhitzt. Das Gussmaterial wird bei einer Temperatur von ca. 1200 Grad Celsius durch Rühren mit Fichtenstangen in Bewegung gehalten.

Kurz vor dem Anstich beten Vertreter  der Kirchen und die Glockengießer für gutes Gelingen.
Wie glühende Lava schießt das brodelnde Metall durch die angelegten Kanäle und füllt nacheinander die in der Erde vergrabene Formen.

 

Die ersten Scheyrer Glocken werden gegossen

Am Freitag, den 23. Januar 2009, war der denkwürdige Tag, an dem die ersten Scheyrer Glocken gegossen werden sollten. Eine kleine Delegation aus Scheyern unter Leitung von Abt Markus war zur Glockengießerei Perner nach Passau gereist, um beim Guss der ersten Scheyrer Glocken mit dabei zu sein. Bei der Begrüßung durch Herrn Perner verwies dieser darauf, dass dies der erste Guss im neuen Jahr und traditionell an einem Freitag (Tag der Kreuzigung) sei und dass anschließend die Arbeit ruhen könne. Dies sei auch für die neu gegossenen Glocken wichtig, um sie vor Erschütterungen und Zugluft zu schützen. Der Flammofen wurde noch auf Betriebstemperatur gebracht und mit Gussmaterial-Barren beschickt. Die gemauerten Kanäle, die mit Holzkohle auf Temperatur gehalten wurden, wurden jetzt freigemacht und gesäubert.

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.
 

Schnittmodell einer Glockeform

Gussmaterial Beschickung mit Gussmaterial
Zum Werke, das wir ernst bereiten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn gute Reden sie begleiten,
Dann fließt die Arbeit munter fort.
 

Die Mannschaft in Schutzanzügen

Flammofen mit Kanälen zu den Glocken Schlacke aus dem Ofen wird entfernt
Nehmet Holz vom Fichtenstamme,
Doch recht trocken laßt es sein,
Daß die eingepreßte Flamme
Schlage zu dem Schwalch hinein.
 

 Rühren der Gussmasse mit einem Baumstamm

   
Was in des Dammes tiefer Grube
Die Hand mit Feuers Hilfe baut,
Hoch auf des Turmes Glockenstube
Da wird es von uns zeugen laut.

Weiße Blasen seh ich springen,
Wohl! die Massen sind im Fluß.
Laßt’s mit Aschensalz durchdringen,
Das befördert schnell den Guß.

 

Beschicköffnung des Flammofens (Schwalch)

Freimachen der Fließkanäle Einlauföffnung zu einer Glocke
 

Freimachen der Fließkanäle

Freimachen der Fließkanäle Freimachen der Fließkanäle
       

 

Der erste Guss der Scheyrer Glocken

Wohl! Nun kann der Guß beginnen,
Schön gezacket ist der Bruch.
Doch bevor wir’s lassen rinnen,
Betet einen frommen Spruch!


Kurz vor dem Anstich beten erst der Glockengießer und dann Abt Markus für gutes Gelingen:


"Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde, die ganze Schöpfung verkündet dein Lob. Sieh auf das Werk unserer Hände und segne dieses flüssige Metall, das für den Guß einer Glocke bestimmt ist. Leite seine feurigen Ströme und schenke unseren Mühen Erfolg. Gib dass die neuen Glocke deinen Namen verherrliche inmitten deiner Gemeinde. Das gewähre uns durch Christus unseren Herrn".
"Lasst uns beten zu unserem Schöpfer und Herren:
Für diese Glockengießerei und ihre Mitarbeiter: Schenke ihnen deinen Segen.
Für alle Menschen, die diese Glocken geplant und die Mittel dafür aufgebracht haben, erfülle sie mit Freude an diesem Werk.
Für die Gemeinde, der diese Glocke dienen wird, rühre sie an mit deinem Geist und mache ihr Herz offen für dich und für ihre Mitmenschen.
Lasst uns nun beten mit den Worten die Jesus uns gelehrt hat. Vater unser ....
Herr komme unserem Handeln durch deine Gnade zuvor und begleite es mit deiner Hilfe. Gib, dass all unser Beten und Tun von dir ausgehe und durch dich gelinge. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn."


Anschließend werden Glockenspeise und -form mit Weihwasser besprengt.
Der Firmenchef, Herr Perner, gibt das Zeichen zum Öffnen des Ofens und das flüssige Metall wird in den gemauerten Kanälen zu den Glockenformen geleitet. Zuerst wird die  Hl. Kreuz-Glocke gegossen, daran anschließend drei weitere Glocken. Nachdem der Guss beendet ist stimmen Firmenmitarbeiter und Besucher das Lied "Großer Gott wir loben dich" an.

In der Gießwerkstatt

Die Auslauföffnung mit den Kanälen Abt Markus betet um den Segen für das Werk

Abt Markus betet um den Segen für das Werk

13:00 Uhr: Der Anstich des Flammofens Die Glockenspeise fließt wie Lava

Zuerst wird die Hl. Kreuz Glocke gegossen

  Aus der Glockenöffnung schlagen Flammen

Die Einlauföffnung zur Glocke

Der Materialfluss wird gestoppt, und zu den nächsten Glocken umgeleitet
 

Alle Glocken sind gegossen

 
   

Herr Perner bedankt sich bei seinen Mitarbeitern

In die Erd ist's aufgenommen,
Glücklich ist die Form gefüllt,
Wird’s auch schön zu Tage kommen,
Daß es Fleiß und Kunst vergilt?

Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde
Vertrauen wir der Hände Tat,
Vertraut der Sämann seine Saat
Und hofft, daß sie entkeimen werde
Zum Segen, nach des Himmels Rath.

Bis die Glocke sich verkühlet
Laßt die strenge Arbeit ruhn,
Wie im Laub der Vogel spielet,
Mag sich jeder gütlich thun.

   
  Der Firmenchef, Herr Perner    

 

Nach der Abkühlphase wird die Form abgeschlagen: So geht es weiter

 

 

 

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Vielen Dank.

     

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weitere Informationen zu den neuen Scheyrer Glocken

 

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