Ein unvergesslicher Festtag:

Glockenweihe


Die einleitenden Worte von H. H. Abt Markus Eller OSB. zu Beginn des Gottesdienstes in der Basilika von Scheyern am 28. Juni 2009:

Im Namen meiner Mitbrüder darf ich Sie alle herzlich begrüßen, die Sie mit uns diesen schönen und denkwürdigen Tag begehen. Es freut uns sehr, dass Sie so zahlreich gekommen sind. Es ist uns eine große Freude und Ehre als Vertreter des Hauses Wittelsbach Prinz Rasso und seine Gemahlin ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit Prinzessin Theresa von Bayern begrüßen zu können. Wir freuen uns über die Teilnahme von Personen des öffentlichen Lebens. Stellvertretend seien der Bundestagsabgeordnete Franz Obermeier und die Landtagsabgeordnete Erika Görlitz genannt.

Es ist schön auch Mitbrüder aus anderen Klöstern an diesem Tag bei uns zu wissen. In unserer Mitte ist der Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation Altabt Gregor Zasche aus Schäftlarn, der neue Abt von St. Stefan in Augsburg, Theodor Hausmann und Altabt Edelbert Hörhammer aus Ettal mit weiteren Mitbrüdern.

Wir feiern Eucharistie,, Danksagung, denn wir haben allen Grund, Danke zu sagen. Wir danken für die vielen Spenden, die die Neuanschaffung der Glocken überhaupt ermöglicht haben. Die Spenden reichen von „namhaften Spenden“ wie man so sagt, die unser Spendenbarometer kräftig nach oben steigen ließen bis hin zu einer 10 Cent Münze, die mir ein Dreikäsehoch mit den Worten in die Hand gedrückt hat: „Do, des is für deine neien Glocken!“ Alle sind sie wichtig und alle haben dazu beigetragen.

Wir danken für das fachliche Können und die Fähigkeiten von ganz vielen und unterschiedlichen Menschen, die sich mit ihren Gaben in dieses Projekt eingebracht haben. Stellvertretend für alle Firmen und ihrer Mitarbeiter möchte ich hier die Mitarbeiter der Glockengießerei Perner in Passau nennen.

Christus Salvator erbarme dich unser, so steht es auf der neuen großen Glocke. Wir danken Gott für das Erbarmen, das wir bis jetzt und hier erfahren durften und bitten ihn, dass er sich heute und in Zukunft immer wieder unser erbarmt.

Die Predigt zum Weihegottesdienst können Sie hier nachlesen.


 

       
       
       
       
       
       
       
       
 
       
       
       
       
 
       
       
       

Die Predigt von H. H. Abt Markus Eller OSB. hier zum nachlesen:

Liebe Schwestern und Brüder!

Vollendet ist das große Werk! So wird unser Basilikachor heute noch singen und damit ein Gefühl aufgreifen, das viele von uns heute sehr bewegt. Obwohl noch viel Arbeit zu tun sein wird, bis unsere neuen Glocken läuten und zu hören sein werden, so können wir heute am Tag ihrer Weihe voller Dankbarkeit sagen, dass viel, dass unheimlich viel erreicht wurde und dass großartiges geleistet worden ist.

Vollendet ist das große Werk! Auch wenn dieses Musikstück aus der Feder von Joseph Haydn für solche Anlässe wie heute sozusagen wie angegossen passt, so ist es doch nicht dafür geschrieben worden.

Vollendet ist das große Werk ist ein Teil eines großartigen Oratoriums das Joseph Haydn kom­poniert hat und das den Titel „Die Schöpfung“ trägt.

Vollendet ist das große Werk ist nicht, wie man vermuten könnte, der Schluss dieses Orato­riums, sondern es beschließt den zweiten Teil nach der Erschaffung des Menschen. Ein dritter Teil folgt, in dem der geschaffene Mensch sozusagen in die Freiheit entlassen wird und beginnt, seine Aufgabe wahrzunehmen.

Vollendet ist das große Werk, das soll uns auch an diesem Tag daran erinnern, was wir sind, nämlich Geschöpfe und dass wir einen Auftrag in dieser Welt und in dieser Schöpfung haben.

Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. So haben wir heute in der Lesung aus dem Buch der Weisheit über die Größe des Menschen gehört. Der Mensch hat in dieser Schöpfung einen Stellenwert, einen besonderen Stellenwert. Aber schon im nächsten Satz wird auf die andere Seite des Menschen hingewiesen, die er eben auch hat, nämlich auf seine Versuchbarkeit, sich über die Ordnung der Schöpfung hinweg zu setzen, diese Weisheit, die in sie hineingelegt ist, zu stören. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.

Beides, Größe und Elend des Menschen, wird heute spürbar und erfahrbar. Dass heute unsere Basilika neue Glocken bekommt, hat auch damit zu tun, dass Sie ihr einmal genommen und vernichtet wurden. Im Größenwahn des Naziregimes, der sich einbildete die Herren der Welt zu sein, erfasste er mit diesem Gefühl des Neides die ganze Welt. Diesem Größenwahn fielen nicht nur Glocken zum Opfer, sondern Millionen von Menschen.

Voller Bewunderung schauen wir dagegen auch heute an diesem Tag auf die Menschen, die nach dem zweiten Weltkrieg 1947 unter großen Mühen und auch Opfern neue Glocken für diese Kirche angeschafft haben, obwohl es wahrscheinlich noch vieles andere oder gar wichtigeres zu tun gegeben hätte.

Wir alle wissen, dass die Zeit der Nachkriegsglocken, abgelaufen war. Es war in nun in unsere Hände gelegt, wieder ein Stück gut zu machen, was damals kaputt gemacht wurde.

Heute dürfen wir sagen: Vollendet ist das große Werk. Heute dürfen wir uns von Herzen darüber freuen, und wir dürfen auch ein wenig stolz sein darauf, ohne Zweifel. Aber liebe Schwestern und Brüder es ist mir wichtig, diesen Tag richtig einzuordnen. Ich möchte ihn so eingeordnet wissen, wie Joseph Haydn dieses Musikstück in sein Oratorium eingeordnet hat. Wir haben heute erst einen Teil erreicht und geschafft. Jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen und es kommt darauf an, was wir diesen neuen Glocken zugestehen, was sie mit uns machen.

 Die Glocken werden nicht einfach zu bestimmten Zeiten und Anlässen läuten, sondern sie wollen und sollen uns erinnern und auch mahnen, was unser Auftrag in dieser Welt und dieser Schöpfung ist. Josef Haydn drückt das so aus. Des Herren Lob sei unser Lied. Alles lobe seinen Namen, denn er allein ist hoch und erhaben.

Liebe Schwestern und Brüder, das ist nicht nur ein feiertägliches Gefühl, sondern ein alltäglicher Auftrag. Nicht nur Sonntags, sondern jeden Tag werden diese Glocken die frohe Botschaft unseres Glaubens von der Menschwerdung Gottes verkünden und zum Gebet einladen, gelegen oder ungelegen.

Wenn ich heute 14 Glocken, die der Botschaft unseres Glaubens ihre Stimme und ihre Kraft verleihen, segnen darf, dann ist das für mich ein unbeschreibliches Gefühl der Freude und des Glücks, das gebe ganz ehrlich zu. Es hat mich tief berührt, was ich in den vergangenen Tagen erleben durfte und heute erlebe, wie sich Menschen eingesetzt haben, diesen Tag zu einem wirk­lichen Fest zu machen. Mit welcher Liebe und Mühe die Wägen mit den Glocken geschmückt wurden. Wenn man alles zusammenzählt, dann sind für den heutigen Tag etwa 160 m Girlanden gebunden worden. Es hat mich gefreut, dass alle unsere Vereine durch die Anwesenheit ihrer Fahnen diesem Fest Glanz verleihen. Es ist einfach großartig.

Auf der anderen Seite mahnt mich in all dieser Freude der Psalm 115 zu großer Ehrfurcht und Demut, wo es heißt: Nicht uns o Herr, nicht uns, sondern deinen Namen bring zu Ehren.

Liebe Schwestern und Brüder, den Namen Gottes zu Ehren bringen, das ist das Größte und Schönste was wir Menschen tun können. Es ist auch das Beste, was uns Menschen passieren kann, wenn wir Gott die Ehre geben, werden wir in Frieden leben können. Dazu wollen und sollen diese neuen Glocken helfen und es in allen möglichen Variationen und Kombinationen erklingen lassen, laut und leise, freudig und auch traurig.

So möchte ich schließen mit dem, was Josef Haydn an den Schluss „seiner Schöpfung“ gesetzt hat.

Singt dem Herren alle Stimmen!

(Unsere Stimmen und die Stimmen aller unserer neuen Glocken)

Singt dem Herren alle Stimmen!

Dankt ihm alle seine Werke

Lasst zu Ehren seines Namens

Lob im Wettgesang erschallen!

Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit! Amen


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