Glockengeläut muss saniert werden
Kosten von 550 000 Euro stehen im Raum/ Besprechung mit Glockensachverständigem
Quelle: Pfaffenhofener Kurier
Scheyern
(eg) Glockengeläut und -stuhl der Scheyerer Basilika müssen dringend saniert
werden: Das ist das Ergebnis einer Besprechung mit dem Glockensachverständigen
der Erzdiözese und ein schwerer Paukenschlag für die Verantwortlichen des
Klosters und der Kirchenverwaltung. Dass
für den 2. Weltkrieg die Scheyerer Glocken zum größten Teil abgeliefert
werden mussten, war bekannt; dass sie 1947 unter Abt Franz Seraph Schreyer durch
Stahlglocken ersetzt wurden, weil damals Bronze unerschwinglich und nicht erhältlich
war, wusste man auch. Im Zusammenhang mit der Erneuerung der Glocken wurde auch
ein neuer Glockenstuhl mit Jochen aus Stahl eingebaut – in der Überzeugung,
Stahl würde ewig halten. Dass das nicht stimmte, merkte man daran, dass in den
letzten Jahren ständig Reparaturen fällig waren, die mit mehreren tausend Euro
zu Buche schlugen. So mussten bereits zwei der fünf Joche ausgetauscht werden.
Daher ließen sich die Verantwortlichen von Kloster und Kirchenverwaltung durch
den Glockensachverständigen der Erzdiözese München, Gerald Fischer, über die
Lage und die Zukunftsaussichten informieren. Auch 2. Bürgermeisterin Christa
Pfab und Kreisbaumeister Hasse nahmen am Ortstermin teil, bei dem auch Glocken
und Glockenstuhl im Turm der Basilika inspiziert wurden. Dort betonte Gerald
Fischer, dass man den Verantwortlichen für die Erneuerung des Geläuts im Jahr
1947 keinen Vorwurf machen könne, da damals nicht bekannt war, dass es mit der
gewählten Lösung Probleme geben könne. Doch Stahlglocken sind, wie Fischer
erläuterte, etwa 20 Prozent schwerer als Bronzeglocken. Sie wurden an so
genannten Stelzenjochen aufgehängt, die sehr schmal sind; an ihnen schwingt die
Glocke nicht voll durch, sondern kippt, so dass große Torsionskräfte auf die
Joche einwirken. Deshalb mussten in Scheyern bereits zwei Joche ausgewechselt
werden; woanders, so Fischer, seien Joche bereits gebrochen. Den Stahlträgern
setzt auch der Rost zu, die vor 60 Jahren eingesetzten Nieten beginnen sich zu lösen,
ebenfalls ein Gefahrenpotenzial, das beseitigt werden muss. Dazu kommt noch,
dass die Stahlträger die Schwingungen viel stärker auf das Mauerwerk übertragen;
bei einer statischen Untersuchung im Sommer dieses Jahres stellte sich heraus,
dass ausgerechnet zwei mittlere Glocken dies am stärksten tun; darunter die so
genannte Kreuzglocke, die jeden Tag dreimal den Angelus läutet und Hauptglocke
des Sonntagsgeläutes ist. Wie die Schwingungen sich auf die Mauer übertragen,
spürten die Anwesenden selbst, als probeweise das Läutwerk in Gang gesetzt
wurde. Da diese Schwierigkeiten nicht beseitigt werden können, gab Fischer
folgende Ratschläge: Die Glocken zwei und drei sollten nur noch an Hochfesten
geläutet werden. Auf Dauer gesehen, sollten die Stahlglocken durch
Bronzeglocken ersetzt werden, die laut Gerald Fischer „ein Werk für die
Ewigkeit“ darstellen. Dabei könne man die beiden Bronzeglocken, die auf dem
Boden der Glockenstube stehen, mit verwenden. Die größere der beiden stammt
aus dem Jahr 1816; sie war im 2. Weltkrieg bereits auf dem
„Glockenfriedhof“, um eingeschmolzen zu werden, blieb aber erhalten. Außerdem
sollte der Glockenstuhl komplett erneuert werden, und zwar in Holz, da hier die
Schwingungen gedämpft werden. Diese Ratschläge wurden, wie Abt Engelbert und
Pater Lukas bestätigten, auch schon von zwei Glockensachverständigen der Diözesen
Augsburg und Aachen gegeben, nämlich von Professor Haupt und Pater Michael aus
dem Kloster Maria Laach. Es gab noch viele Informationen und eine lebhafte
Diskussion; doch alle Anwesenden waren sicher, dass man auf Dauer nicht um die
vorgeschlagene Erneuerung des Geläuts unter Verwendung der beiden alten
Bronzeglocken herumkommen werde. Die Kostenschätzungen belaufen sich auf rund
500 000 Euro; im Falle
der Realisierung hoffen Kloster und Pfarrei auf große Spendenbereitschaft bei
der Bevölkerung.
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Eine
der Stahlglocken im
Glockenturm der Scheyerer Basilika, |
Die
alte Bronzeglocke aus
dem Jahr 1816, die auf dem |
Der
Glockensachverständige der
Erzdiözese München, Gerald Fischer,
und Kreisbaumeister Hasse bei der
Besprechung.
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