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Der Heilige Kreuzritt zur Zeit des Barock

Barocke Reiseschatulle für das Heilige Kreuz, mitgeführt beim traditionellen Kreuzritt bis zum Jahr 1803.

Artikel von Dr. Thomas Riemensperger

In der Barockzeit wurde am 1. Freitag nach dem Kreuzfest jährlich der sogenannte Scheyrer Kreuzritt bei jeder Witterung gehalten. "Schon morgens 4 Uhr wurde durch ein viertelstündiges Läuten mit der großen Glocke das Zeichen gegeben. Etwa um 1/2 6 Uhr wurde in der Kirche der Kreuzeshymnus gesungen Vexilla regis. Der Scheyrer Pfarrvikar gab vor der Kirche, bevor er das Pferd bestieg den Segen mit dem heiligen Kreuz. Der allein von den mitreitenden Priestern war mit Chorrock und Stola bekleidet. Am Ritt nahmen außerdem noch nach altem Herkommen teil der Pater Custos (ist Kreuzpater, Zeremoniar), der jüngste Pater des Klosters und oft auch der Abt.

Der Abt und der jüngste Pater lesen in Euernbach eine hl. Messe um Erhaltung der Feldfrüchte. Die beiden anderen hatten schon zuhause zelebriert. Am Ritt beteiligten sich u. a. der Lehrer von Scheyern und der Klosterwächter, der das Evangeliumbuch, die Bursa mit dem Korporale, 2 weiße Kerzen mit Leuchtern zu tragen hatte. Außerdem ist auch der Klosterbaumeister, der das gläserne Futteral und das schwarze wie auch ein paar weiße Handschuhe tragen musste.

Der Scheyrer Pfarrvikar nahm um 1fl 30 Kr. Scheyrer Kreuzlein mit, um sie dem Pfarrer und dem Dienstpersonal zu Euernbach, Pfaffenhofen und Hettenshausen zu schenken. In Pfaffenhofen war Mittagspause, der Abt und die drei Patres speisten im Pfarrhof. Um 2 Uhr mittags ging der Ritt weiter nach Hettenshausen. Der Pfarrer von Hettenshausen sang das Evangelium und hielt eine kleine Begrüßungsrede an das hl. Kreuz und den begleitenden Abt, worauf auch der Abt einige Worte erwiderte.

Hier (wie auch in Euernbach und Pfaffenhofen) reichte der Pfarrer dem Volk das hl. Kreuz zum Kuss. Nach der Rückkehr nach Scheyern wurde im Klosterhof nochmals der Segen mit dem hl. Kreuz gegeben, in der Kirche dem Konvent das hl. Kreuz zum Kusse gereicht und dann vom jüngsten Pater dem Volke. Auf einer dieser Kreuzritte am 9. Mai 1749 wurde der Scheyrer Pfarrvikar Pater Otto Seelmayer bei Hettenshausen vom Schlagfluss getroffen und sank tot vom Pferde.

Als im Jahre 1742 der Feind im Land war, nahm er allenthalben den Bauern die Pferde aus den Ställen und vom Acker weg, wenn die Bauern nicht noch Zeit hatten, ihre Pferde in dei Wälder zu retten. Der alljährliche Kreuzritt wäre nun dem Feinde eine willkommene Gelegenheit gewesen, sämtliche Pferde der Grafschaft Scheyern wegschnappen. Darum wurde für dieses Jahr der Ritt unterlassen. Dafür hielten die Scheyrer einen Bittgang nach Niederscheyern und von dort über den Washof wieder zurück. Das war der Niederscheyrer Kreuzritt zu Fuß 1742." (Soweit die Notizen aus der Scheyrer Pfarrgeschichte.) Wie sehr Prozessionen in Scheyern beliebt waren, zeigt auch der sog. St. Wendelritt. So findet sich von P. Bernhard Walcher eine Notiz vom 21.9,1939 "z. Zt. einer Viehseuche hatte die Grafschaft Scheyern diesen Ritt (St. Wendelritt) gelobt".

Die Pferdebesitzer, die an diesem Ritt nicht teilnahmen bezahlten 1 Pfund Wachs. Der Ritt führte von Scheyern über Niederscheyern nach St. Wendel (Oberlauerbach) bei Geisenfeld, um dort eine Wendelinkerze zu opfern. Im Jahre 1803 wurde dieser Ritt verboten, weil "Aufzüge dieser Art Zerstreuung bewirken und so den Zweck der wahren Andacht vereiteln" (Regierungsblatt vom Jahre 1803 St. 14 S, 217). Seitdem begnügten sich die Scheyrer als Ersatz wenigstens eine Wendelinkerze durch freiwillige Beträge zu stiften, sicher bis 1841.

Noch liegen mehrere Schreiben des Pfarramtes Oberlauterbach vor, die den Empfang des Opfers für die Wendelinkerze bestätigen. So heißt es 1810 in einem Schreiben des Pfarramtes Oberlauterbach: "Das von Euer Hochwürden in ihrer Pfarrgemeinde (Scheyern) gesammelte Opfer zu 2fl 43 kr habe ich den 13. Jänner richtig erhalten und säume nicht deswegen im Namen des hl. Wendelins, der allzeit ein treuer Helfer seiner Verehrer ist, das dankbarste Zeugnis auszustellen."

An einer anderen Stelle heißt es, dass die von Scheyern gestiftete Kerze (1818) am Patroziniumsfest des hl. Apostel Andreas zum erstenmal angezündet worden sei. In Erinnerung an die alten Wendelinritte nach Oberlauterbach hat die Pfarrgemeine Scheyern am Montag den 6. Juli 1885 einen Bittgang dorthin veranstaltet aus Anlass der 200jährigen Jubelfeier in Oberlauerbach. Um 1/2 3 morgens brach man in Scheyern auf. Soweit die Notizen aus der Scheyrer Pfarrgeschichte.