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Bethlehem: Ein Blick in die Geschichte

Etwa 5 km südwestlich von Jerusalem liegt inmitten einer hügeligen Gartenlandschaft mit Weinbergen und unzähligen uralten Olivenbäumen Bethlehem, die Geburtsstadt Davids und Jesu. Gegen 700 v. Christus war Bethlehem nach dem Bericht des Propheten Micha die Kleinste unter den Städten Judas (Mi 5,1). Heute gilt Bethlehem mit etwa 20.000 christlichen und moslemischen Einwohnern zu den größten Städten der palästinensischen Autonomiebehörde. Mit den Vororten Beit Jala und Beit Sahur sind es etwa 36.000 Einwohner. Die Bewohner leben von Ackerbau, Schafzucht, Handwerk und Handel, vor allem aber vom Fremdenverkehr.

Zum Vergrößern klicken326 nach Christus beginnt Kaiser Konstantin mit dem Bau der Geburtskirche, dem Herzstück Bethlehems. 386 zieht sich der Heilige Hieronymus aus Rom bis zu seinem Lebensende nach Bethlehem zurück. Eine große Statue vor der Franziskanerkirche neben der Geburtskirche erinnert daran. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts wird die Kirche durch einen Brand zerstört, dessen Ursache unklar ist. Unter Justinian wird 500 bis 550  der heutige Kirchbau auf dem Fundament der konstantinischen Basilika vergrößert aufgebaut. Der Persereinfall 614 ging für die Basilika glimpflich aus.

In der Kreuzfahrerzeit wird die Basilika zum Krönungsort der Kreuzfahrerkönige von Jerusalem bestimmt und der Innenraum erlebt eine prachtvolle Ausschmückung. 1869 wird die Kirche wieder durch ein Feuer fast zerstört. Der heutige Zustand der Geburtskirche lässt die ursprüngliche Schönheit noch erahnen.

Zentrum aller Pilgerfahrten nach Bethlehem ist aber die Geburtsgrotte, die sich unter der Basilika befindet. Sie ist das Zentrum der Verehrung der Geburt unseres Herrn. Die Grotte erhielt erst im Laufe der Zeit ihre heutige rechteckige Form. Wie sie vor knapp 2000 Jahren aussah, ist nicht bekannt. Auf jedem Fall war der Zugang einst ebenerdig. Die Geburtsgrotte ist seit dem 12. Jahrhundert an ihrem westlichen Ende durch einen Gang mit weiteren Grotten verbunden, die teilweise schon im 7. Jahrhundert vor Christus bewohnt waren oder als Begräbnisstätte dienten.


Bibelstelle zu Bethlehem

Die Geburt Jesu: Lk 2, 1-20

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.


Geistlicher Impuls zu Bethlehem

Von Bruder Samuel Elsner OSB

Was für ein Kreuz!

Als ich 1995 zum ersten Mal im Heiligen Land das Weihnachtsfest mitfeiern durfte, erlebte ich für mich ein ganz neues Weihnachten. Die Wanderung nach Bethlehem in der Weihnachtsnacht und das erreichen der Geburtskirche mit dem Gebet in der Geburtsgrotte war für mich ein erfüllendes Erlebnis. Ich saß in der Grotte, in der unser Heiland geboren wurde... Unfassbar.

Ich erlebte Unmengen an Menschen: Pilger, Gäste... Es war eng! Und alle schienen mir erfüllt von diesem Geist. Ich erlebte eine Euphorie der Einheimischen. Sie waren bemüht um ihr Bethlehem, es lag ihnen am Herzen. Überall waren bunt geschmückte Straßen, ein großer künstlicher Weihnachtsbaum verzierte den Vorplatz der Geburtskirche und es erinnerte mich an unsere geschmückten Straßenzüge hier in Deutschland. Ein Hauch Europa mitten im Orient.

In meinem Inneren vermisste ich diesen ganzen äußeren Tant von Geschenken etc überhaupt nicht. Wie sehr die Bewohner von Bethlehem um ihre Stadt bemüht waren, zeigte aber auch die Feier im Jubeljahr 2000. Bethlehem war herausgeputzt wie noch nie. Von europäischen Ländern unterstützt erlebte die Stadt einen großen wirtschaftlichen Aufschwung ...

Bethlehem war längst nicht mehr eine von den kleinen und unbedeutenden Städten Judas, wie es in der Heiligen Schrift noch heißt. Aber das Bild von Bethlehem hat sich gewandelt. Ganze Straßenzüge sind zerstört, Häuser ausgebrannt und das bunte Treiben von Pilgern und Touristen ist zum Stillstand gekommen.

Es ist kein Leben in der Stadt. Israelische Panzer umstellen die Stadt. Sie sollen die israelischen Siedlungen um Bethlehem herum schützen, die wie Festungen aus der Erde gestampft wurden. Das Fatale dabei: Der Grund auf dem das alles gebaut wurde, ist das Eigentum der Palästinenser. Land wurde enteignet. Land wurde gestohlen.

Was für ein Kreuz!

Wie es in der Herzen und Seelen der Menschen aussieht, ist unbeschreiblich. Auf beiden Seiten ist Angst. Auf beiden Seiten ist Unsicherheit, auf beiden Seiten Verletzungen. Und in diesen Tagen, wo alle in dieser Welt auf Amerika und den Irak blicken, hört keiner mehr den Schrei aus Bethlehem. Die Mauer wird bald fertig sein, die Bethlehem umgeben wird und von den Israelis erbaut wird zum Schutz des eigenen Volkes... Dann wird das Staunen in den Medien wieder groß sein. Dann wird es wieder eine Mauer geben, die die Menschen auf dieser Welt voneinander trennen.

Berlin heißt dann in Zukunft Bethlehem. Den Schrei nach Gerechtigkeit, den Schrei nach Frieden hören wir nicht mehr ... Warum tun wir nichts  - zumindest in unseren eigenen Reihen? Kann es sein, dass uns Bethlehem zu sehr an unsere eigene Situation erinnert? Wie sieht es denn aus in mir? Hat Christus in mir eine Grotte, in der er geboren werden kann? Nicht nur an Weihnachten – sondern auch jetzt? Was meint denn Fastenzeit für mich? Geht es nur darum den Konsum von Essen, Trinken und Zigaretten einzuschränken?

Das sind alles äußere Dinge, die Jesus in dieser Form immer für äußerst bedenklich gehalten hat. Fastenzeit bedeutet viel mehr, das Leben von Christus wieder mehr in meinen Mittelpunkt zu stellen! Dass ich Christus in dieser Zeit mehr Raum in mir gebe, um ihm ähnlicher zu werden, das ich die Liebe und den Frieden lebe, wo Streit und Krieg ist.

Und so furchtbar dieses Bild ist, sei die Frage doch ehrlich in den Raum gestellt: Wo eigne ich mir denn Land an, was mir gar nicht gehört? Und wo betrete ich Territorium, auf dem ich eher nicht zu Hause sein sollte und stelle meine Panzer auf ... Das gesunde Verhältnis von Nähe und Distanz: Wer wünscht es sich nicht? Wo halte ich es denn ein? Wo verletzte ich es? Auch unsere innere Mauer kann hoch errichtet sein. So hoch, dass ich gar nicht drüber schauen kann und so viel lieber „über jemanden“ als „mit jemanden“ rede!

Was für ein Kreuz!

Bethlehem ist auch in mir! Mehr denn je. Möge unser Schrei in der Stille die nötige Befreiung von unseren Geburtswehen bringen. Das Christus in uns wahrhaftig geboren werden kann. Dass wir Bethlehem sein können, das friedliche Bethlehem: Geborene Kinder Gottes, die seinen Frieden weitergeben. Auch über das Kreuz hinaus!

O Kindelein, von Herzen dich will ich lieben sehr.
In Freuden und in Schmerzen, je länger mehr und mehr.
Dazu dein Gnad mir gebe, bitt ich aus Herzensgrund,
dass dir allein ich Lebe jetzt und zu aller Stund.