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Heiliges Grab: Ein Blick in die Geschichte

Wir erinnern uns: Josef von Arimatäa, ein heimlicher Anhänger Jesu, erbat von Pilatus den Leichnam und bestattete ihn in dem neuen Grab, das er für sich selbst in einem Felsen hatte hauen lassen und das in dem Garten lag, in dem man Jesus gekreuzigt hatte.

ieses Felsgrab neben dem Steinbruch Golgota ist nur noch schwer vorstellbar: Ein offener Treppenzugang führte damals zum Eingang, der nach der Bestattung mit einem kleinem Rollstein verschlossen wurde. Hinter einem Vorraum mit Sitzbänken lag die eigentliche Grabkammer mit dem Bankgrab. Der Architekt von Konstantin ließ den Felsen rings um die Grabkammer samt dem Vorraum abschlagen und bedeckte den stehen geblieben Grabfelsen mit einem gold- und silberbelegten Ziborium. Der Platz des Vorraums war von Schranken umgeben. Vor dem Eingang stand ein Altar.

1009 befahl der Kalif El-Hakim, den Grabfelsen  wegzubrechen; dabei ging auch die Grabbank verloren. Beim Neubau der Grabrotunde im Jahre 1048 wurde das Grab durch dickes Mauerwerk ersetzt, das zugleich auch den zur Zeit Jesu üblichen Vorraum mit umschloss. Die Größenverhältnisse der ursprünglichen Grabanlage behielt man bei der Erneuerung weitgehend bei. Diese Mauerung bildet noch heute den Kern der Grabkapelle.

Über dem Kapellenportal hängen in vier Reihen zahlreiche Ampeln. Die oberste Reihe wird von den Lateinern betreut, die beiden Mittleren betreuen die Griechen und die Unterste wird von den Armeniern betreut. Das von schweren Leuchtern flankierte Portal bleibt immer offen. Ausgenommen in der Zeit von Karfreitag bis zur Osternacht.

Der kleine Vorraum hinter dem Portal wird Engelskapelle genannt. Hier verkündeten am Ostermorgen zwei Engel den Frauen , die das Grab besuchen wollten und es leer fanden: „Er ist nicht hier! Er ist auferstanden!“ In der Mitte der Kapelle steht ein Marmorschrein, der ein Stück jenes Rollsteins enthalten soll, der das Grab Jesu verschloss.

Ein schmaler, nur 1,33 m hoher Durchgang führt zur Grabkammer. Sie ist 2,07 m lang und 1,93 m breit. Sie ist die wohl kleinste und zugleich ehrwürdigste Kapelle der Christenheit. Rechts sieht man die mit Marmor verkleidete Grabbank, auf der der Leichnam Jesu bis zur Osternacht ruhte. An der Decke hängen 43 Lichtampeln, die von den einzelnen Konfessionen versorgt werden.

Über der Grabkapelle spannt sich die neugestaltete Kuppel. Ihr einfallendes Licht erinnert an das neue Leben, den neuen Morgen, und ist die einzige Tageslichtquelle in der Grabeskirche!


Bibelstelle zum Heiligen Grab

Das Begräbnis Jesu: Lk 23,50-56

Damals gehörte zu den Mitgliedern des Hohen Rates ein Mann namens Josef, der aus der jüdischen Stadt Arimathäa stammte. Er wartete auf das Reich Gottes und hatte dem, was die anderen beschlossen und taten, nicht zugestimmt, weil er gut und gerecht war.

Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. Das war am Rüsttag, kurz bevor der Sabbat anbrach.

Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, gaben ihm das Geleit und sahen zu, wie der Leichnam in das Grab gelegt wurde. Dann kehrten sie heim und bereiteten wohlriechende Öle und Salben zu. Am Sabbat aber hielten sie die vom Gesetz vorgeschriebene Ruhe ein.

Geistlicher Impuls zum Heiligen Grab

Von Bruder Samuel Elsner OSB

Liebe Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder!

Der Karfreitag hat von je her eine sonderbare Stimmung in sich: Er ist der Tag des Todes! Eine unangenehme Stimmung! Der Tod ist auf einmal so nahe gerückt! Der Tod ist uns immer nahe und wird uns auch immer nahe bleiben. Er ist ein untrennbarer Bestandteil der menschlichen Existenz. Deswegen war und ist er immer Gegenstand tiefer Betroffenheit für uns alle.

Seit der Morgendämmerung der Menschheit hat der menschliche Geist über den Tod nachgedacht und nach einer Antwort auf seine Geheimnisse gesucht. Denn der Schlüssel zur Frage nach dem Tod öffnet die Tür zum Leben. Unzählige Bücher sind erschienen, die sich mit einem Leben mit dem Tod beschäftigen. Und auch in der Benediktusregel heißt es: Den Tod beständig vor Augen haben... Das klingt erst mal unangenehm!

Ein Leben mit dem Tod erschließt sich aber für uns Christen aus dem Leben nach dem Tod. Auch wenn wir heute die letzte Kreuzbegegnung feiern, war das dunkle Grab des Karfreitags nicht die letzte Station! Denn seit Jesu Tod dürfen wir gewiss sein, dass nach jedem Karfreitag ein Ostern kommt, das nach unserem letzten Atem neues Leben keimen wird!

Wenn der letzte Atem vorbei ist, der Leib in Frieden ruhen kann, wächst leis die Hoffnung uralter Erde: fängt Leben neu zu keimen an! Diese Hoffnung drückt sich für uns im Kreuz aus. Und so wollen wir diese letzte Kreuzbegegnung, zu der ich sie alle herzlich begrüße, im Zeichen des Kreuzes beginnen:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.