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Ölberg: Ein Blick in die Geschichte

Der östlich des Tempelbergs gelegene Ölberg ist Teil einer nordsüdlich verlaufenden Hügelkette. Er liegt knapp 809 m hoch und überragt so mit 65 m noch den Tempelberg. Der Ölberg, oder auch „Berg der Ölbäume“ genannt, hat seinen Namen von den uralten Olivenhainen, die zum Teil noch vorhanden sind. Er zählt zu den heiligsten Stätten der Christen und Juden.

Die Juden haben am Westhang ihre älteste und größte Begräbnisstätte, wie es an den kleinen Steinaufbauten deutlich zu erkennen ist. Wenn wir an ein Grab unserer Verwandten kommen, legen wir Blumen nieder oder entzünden ein Licht. Die Juden legen als Gruß einen Stein auf die Grabplatte.

Am Fuße des Ölbergs ist der Garten Getsemani, den wir nächste Woche näher betrachten. Von diesem Garten aus führen drei Wege zum Ölberg hinauf. Nimmt man den weniger beschwerlichen, südlichen Weg hinauf, wird man zwischen den christlichen Stätten und dem riesigen Judenfriedhof hindurchgeführt.

Oberhalb des Garten Getsemani erhebt sich die Maria – Magdalenen – Kirche, die von russisch- orthodoxen Nonnen betreut wird. Die Kirche selber wurde 1885 von Zar Alexander III zum Andenken an seine Mutter erbaut, deren Patronin die Hl. Maria Magdalena war. Das Gebäude ist im Stil des 16./17. Jhs im russischen Barock gestaltet. Die sieben Zwiebeltürme mit je einem orthodoxen Kreuz wurden zum Jahr 2000 neu vergoldet.

Etwa 300 m weiter aufwärts erreicht man das Gelände der Franziskanerkapelle Dominus Flevit. Der Name kommt aus dem lateinischen und heißt übersetzt „Der Herr weinte“, denn als Jesus am Palmsonntag vom Volk umjubelt den Ölberg hinunterritt, weinte er beim Anblick Jerusalems, weil er den Untergang der Stadt kommen sah. Auf die Fundamente einer kleinen byzantinischen Kapelle des 6. Jahrhunderts baute der italienische Architekt Barluzzi 1955 einen Neubau in der Gestalt einer Träne.

Ein großes Bogenfenster öffnet den Blick nach Westen mit dem Blick auf den Tempelberg. Das Fensterglas lässt den Kelch des Leidens erkennen, der zum Kelch des Heiles wurde. Auf der Kuppe des Ölbergs selber kann man die Pater-Noster-Kirche besuchen. An dieser Stelle soll Jesus seinen Jüngern das Gebet des Herrn, das Vater unser, gelehrt haben. 1874 und 1875 entstand hier eine Kirche, die heute von französischen Karmeliterinnen betreut wird.  An den Wänden der Vorhalle und des Kreuzgangs kann man das „Vater unser“ in 68 Sprachen lesen. So auch in Deutsch.

Von der Pater Noster Kirche aus führt eine schmale Straße in östlicher Richtung zum einstigen Dorf Betfage, wo sich Jesus am Palmsonntag einen Esel lieh, auf dem er vom Volk umjubelt, nach Jerusalem ritt. Eine Kirche aus dem Jahre 1883 erinnert noch heute mit ihren Fresken an diese Begebenheit. Seit der Zeit des Kreuzfahrerreiches zogen alljährlich am Palmsonntag Christen von Betfage über den Ölberg zur St. Anna Kirche in die Altstadt von Jerusalem. 1563 untersagten die Türken die Prozession. Erst 1933 konnte der alte Brauch wieder aufgenommen werden.


Bibelstelle zum Ölberg

Die letzten Tage in Jerusalem: Lk 19,28 - 21,38

Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf. Als er in die Nähe von Betfage und Betanien kam, an den Berg, der Ölberg heißt, schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los und bringt ihn her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr ihn los?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn.

Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie den jungen Esel losbanden, sagten die Leute, denen er gehörte: Warum bindet ihr den Esel los? Sie antworteten: Der Herr braucht ihn. Dann führten sie ihn zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf der Straße aus.

Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe! Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.

Die Ankündigung der Zerstörung Jerusalems: Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.


Geistlicher Impuls zum Ölberg

Von Bruder Samuel Elsner OSB

„Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen“

Liebe KLJB, liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich diesen Satz so höre und nicht den Hintergrund dazu kennen würde, würde ich meinen, Jesus sagt diesen Satz in diesen Tagen zu einer ganz anderen Stadt ... Zu welcher Stadt würde er es denn sagen? Zu Washington oder zu Bagdad? Oder auch zu Scheyern? Vielleicht würde er es in dieser Zeit zu jeder Stadt sagen ... Hat denn nicht jeder irgendwie in seinem Leben Chancen vertan um zu erkennen, was den Frieden bringt?

Vor wenigen Tagen sagte ein Mitbruder zu mir: Wenn der Krieg beginnt, ist die Wahrheit das Erste, das zerstört wird. Wir sind darauf angewiesen, was uns Fachleute, Medien, Regierungsangehörige und Waffeninspektoren für Informationen liefern.  Ob sie immer der Wahrheit entsprechen, werden wir erst später erfahren, oder gar nicht.

Es ist Krieg in der Welt!

Weit weg, und doch so nah. Ja, meine lieben Schwestern und Brüder, es geht mir nahe. Und ich mache mir nicht nur Sorgen um meine Mitbrüder auf dem Sion in Jerusalem, die nun ganz schnell in den Mittelpunkt des Irakkonflikts geraten können, sondern ich mache mir auch Sorgen um unsere kleine Welt hier. „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen“.

Ich lebe in einer Gemeinschaft, die sich auf ihre Charta ganz groß die Friedensarbeit im Heiligen Land geschrieben hat. Und in den letzten Tagen wurde mir immer mehr bewusst, was das eigentlich heißt, Friedensarbeit zu leisten! Kann ich das überhaupt? Wenn ich andere Menschen zu einer friedvollen Begegnung verhelfen will, muß ich selber meinen inneren Frieden gefunden haben. Erst recht, wenn es sich dabei um Menschen anderer Traditionen und Religionen handelt.

Habe ich denn meinen inneren Frieden gefunden? Kann ich denn einstimmen in den Jubelruf der Jünger? „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!“? „Wovon das Herz voll ist, geht der Mund über.“ Sagt ein Sprichwort. Wie ist das denn bei mir? Wovon ist denn mein Herz voll? Wovon geht denn mein Mund über? Den Pharisäern war das unheimlich: „Meister, bring deine Jünger zum Schweigen!“ Ihr Herz war verkrampft von Gesetzen und Geboten. Sie konnten sich diesem lockeren Jubelruf nicht anschließen.

Sie wollten auf Erden nichts wissen von diesem Frieden und der Herrlichkeit, die Jesus verheißt. Und Jesus sagt: Wenn die Jünger schweigen, werden die Steine schreien. Wer aufmerksam das Verhalten der Menschen im nahen Osten beobachtet, wird feststellen, dass dann, wenn nichts mehr zu gehen scheint, oftmals mit Steinen geworfen wird... Das ist ihre Art von Protest! Kleine palästinensische Kinder sind Fachleute im Bauen von kleinen Steinschleudern. Und sie treffen Zielsicher und Haargenau. Die Steine beginnen zu schreien ...

Doch dies muss so nicht sein. Jesus zeigt uns Christen einen Weg in die wahre Freiheit, die alles menschlich verstehende überragt und wir sind herausgefordert, in unserer Pfarrgemeinde, in unseren Gruppen und Gemeinschaften ein Abbild dieses Friedens, dieser himmlischen Herrlichkeit zu sein. Nur wenn wir im Kleinen diesen Frieden und diese Herrlichkeit leben, kann dies ein Beispiel für den  großen Frieden werden.

Und dieser große Friede fängt in mir an! Dieses „Einstimmen in den Jubelruf der Jünger“ kommt alljährlich in Jerusalem in der Palmsonntagsprozession zum Ausdruck. Zum Vergrößern klicken Alles, was in Jerusalem bei Kirchens Rang und Namen hat, ist an diesem Nachmittag auf den Beinen.

Es ist die christliche „Demonstration“ schlechthin, in der die kleinste Minderheit im Land auf sich aufmerksam macht. Bischöfe, Äbte, Ordensleute, Pfadfinder, Laien, Pilger aus aller Welt.... Alle ziehen mit Gesang und Gebet von Betfage über den Ölberg in die Heilige Stadt hinein – so wie Jesus damals. Und ich erinnere mich noch, wie lang der Zug im Jahr 2000 war. Tausende von Menschen.

Es ist ein Ereignis, das einen innerlich vereint mit den vielen Menschen verschiedener Sprachen, Nationen, aber dem einen gemeinsamen Gott.
Für mich ist es gerade in diesen Tagen eine Herauforderung, ganz bewusst in den Jubelruf Gottes einzustimmen. Auch wenn alles Äußere dagegen spricht: Unser Gott ist ein Gott, der zwar auch mal grollen kann, aber er will letztlich immer das Heil für den Menschen. Auch wenn es mir schwer fällt, dies immer so zu verinnerlichen. Der Heilige Benedikt weiß wovon er spricht, wenn er sagt: An der Barmherzigkeit Gottes niemals verzweifeln!