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Erinnerungen aus drei Generationen

Zusammengestellt von Altabt Engelbert Baumeister

Wie schnell sich die Zeiten ändern, lässt sich am Beispiel unseres Prielhofs ablesen. Für eine umfangreiche Dokumentation ist hier nicht der Platz, aber es ist interessant, aus dem Gespräch mit Personen dieser Jahrzehnte ein paar Notizen aufzuzeichnen. An meinem Namenstag, dem 7. November 2005, erinnerten sich drei Leute, die dem Prielhof eng verbunden waren, an die Verhältnisse und Veränderungen der letzten Jahrzehnte: Pater Dominikus Brielmair, der exakt seit 50 Jahren in der Klosterverwaltung tätig ist und sie seit 1958 als Zellerar und Ökonom leitet; ferner der langjährige Leiter des Prielhofs, Herr Anton Hübl; schließlich der 95-jährige ehemalige Knecht im Prielhof, mein Onkel Anton Wittmann aus Ilmmünster. 

Beim gemeinsamen Blick auf die jetzigen Gebäude des Prielhof stellten sich interessante Erinnerungen ein: Die großen ehemaligen Rinderstallungen auf der Süd- und Westseite wurden in den letzten Jahren im Mauerwerk grundlegend saniert; wo jetzt auf der Nordseite Garagentore die früheren Stalltüren ersetzen, waren einmal die Pferde- und Ochsenställe. Etwa 15 Pferde und ebenso viele Ochsen waren hier untergebracht. Für die Arbeiten auf dem Feld wurden vor 70 Jahren vier Ochsengespanne und drei bis fünf Pferdegespanne eingesetzt, wobei bei schwierigen Arbeiten und Transporten drei Pferde zusammengespannt wurden, ein Pferd voraus und dahinter.

Der Weg zur Mühle nach Ilmmünster mit 60 Zentnern Getreide auf dem Wagen war jeden Monat eine mühsame Angelegenheit. Das Mehl wurde in der Klosterbäckerei gebraucht die für den ganzen Klosterbereich und für die Studenten das tägliche Brot zu beschaffen hatte. Nach und nach wurden die Pferdegespanne durch Traktoren ersetzt. Heute kommen uns diese ersten Maschinen, z.B. ein "Lanz" mit 40 PS und ein weiterer mit 25 PS als wenig leistungsfähig vor, aber sie hatten eine große Erleichterung gebracht. Wegen des wachsenden Energieverbrauches an Strom mussten sie die einzelnen Bereiche bisweilen abstimmen um die Aggregate nicht zu überfordern. Die Belieferung mit Holz für die verschiedenen Heizanlagen und Öfen erforderte außerdem, wie man heute sagen würde, eine gute "Logistik".

Das Foto aus dem Jahr 1936 zeigt einen Teil des Personals, das im Prielhofs selbst wohnte. Vorn in der Mitte ist der damalige Leiter des Prielhofs, Bruder Engelbert Wittmann, mein Onkel, der 1940 durch eine Blutvergiftung im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Zu seiner Linken steht sein leiblicher Bruder Anton Wittmann, der von 1936 bis 1938 auf dem Prielhof als Knecht gearbeitet hat.

Aufzeichnungen vom Prielhof während der Tätigkeit von Anton Hübl als Verwalter (1962 bis 1990)

Personalbestand 1962:
Verwalter, Stellvertreter und Schlepperfahrer (Herr Märtl), vier Schlepperfahrer, einen Pferdeknecht, zwei Taglöhner, zwei Gutshandwerker, fünf Frauen, sechs Leute im Kuhstall.
Vier Leute im Schweinestall, eine Person im Hühnerstall, fünf Frauen in der Küche (auch für den Garten) und einen Heizer.
Zusammen: 33 Personen (bei der Kartoffelernte und beim Hopfenpflücken noch Leute zusätzlich).

Viehbestand:
Ein Zuchtbulle, 50 Milchkühe (Fleckvieh), 50 Stück Kälber und Jungvieh, ca. 50 Zuchtsauen, ca. 450 Ferkel und Mastschweine, vier Pferde, ca. 300 Hühner.

Anbau:
Getreide, Silomais, Kartoffeln, Zuckerrüben, etwas Kraut und Karotten Hopfen (2 ha mit ca. 9000 Stock).

Entwicklungen und Umstellungen:
1965 wurde eine Hopfenpflückmaschine gekauft und die Hopfenfläche um 4 ha erweitert (23000 Stock). Es wurde ein 75 PS-Schlepper gekauft, ein größerer Mähdrescher und zwei Miststreuer.
Der Hühnerstall wurde umgebaut für Bodenhaltung von 990 Tieren. Durch den Bau von Hütten auf den Weiden und den Einbau eines Laufstalles in die alte Scheune war das Jungvieh im Sommer Tag und Nacht auf der Weide, im Winter im Laufstall. Der Viehbestand wurde erhöht und Personal verringert ...
Am 22. Juli 1967 vernichtete ein großes Hagelunwetter die Ernte fast vollständig. Leider war der Betrieb nicht versichert und so entstand ein sehr großer Schaden.
Im April 1970 wurde durch eine Hofversteigerung der Rindviehbestand verkauft, ausgenommen das weibliche Jungvieh. Dieses kam bei uns auf die Weide, dazu Pensionsvieh. Das Stallpersonal wurde dadurch frei. Die Weiden wurden zum Teil umgebrochen, der Rest wurde mit Pensionsvieh bis zum Schluss genutzt, es waren ca. 55 Stück, verteilt auf zwei Weiden.
1971 erfolgte der Umbau der Schweinestallungen, es wurde ein Maststall für 420 Tiere mit Futterautomaten und Vollspaltenboden eingebaut. Der Abferkelstall erhielt 27 neue Abferkelboxen mit Bodenheizung und Entmistungsanlage. Ein Teil der Schleppergarage wurde zu einem Vormaststall umgebaut, im Pferdestall (die Pferde waren schon weg) waren die Leersauen und der Eber untergebracht. Dadurch wurde die Arbeit weniger und die Anzahl der Schweine konnte stark erhöht werden.
Ab etwa 1982 ging das Schweinemeisterehepaar in Rente, Ersatz kam leider nicht nach. Die Muttersauenhaltung wurde aufgelöst und nur noch Mast mit Ferkelzukauf betrieben.
In den 70ger Jahren wurde ein 125 PS-Schlepper gekauft, außerdem ein Plantagenschlepper, der heute noch im Kloster seinen Dienst tut. In der neuen Scheune wurden eine Getreideannahme (Schüttgosse), Trocknung und 8 Hochsilos für Lagerung erbaut (2500 dt), die heute noch in Betrieb sind.
1980 wurde die Hofküche geschlossen. Ab ca. 1977 gab es am Hof nur noch zwei Schlepperfahrer, die aber aus Gesundheits- und Altersgründen 1987 bzw.1989 aufhörten. Die notwendigen Aushilfen wurden über den Maschinenring gemacht. 1989 wurde der Hopfen verpachtet und 1990 ganz gerodet.
Die Ackernutzung verteilte sich in jenen Jahren auf: Winter-Raps ca. 20 ha, Sommer-Gerste ca. 12 ha, Hopfen 5,75 ha, Winter-Gerste ca. 30 ha, Hafer 8 ha, W. Weizen K. 30 ha, K. Mais 15 ha.
Ab Herbst 1990 bis 2005 wurde der Betrieb vom Kloster an die FAM verpachtet. (Forschungsverbund Agrarökosysteme München), ab 1. Oktober 2005 an die GSF (Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit.