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Der Prielhof im barocken Stil (1758).
„Neuer Stadel“ (1910) mit biblischen Maßen

Der Prielhof - der Meierhof des Klosters Scheyern

Von P. Lukas Wirth OSB

Die heutige Hofstelle

Als Folge der im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert andauernden positiven Entwicklung in der eigenen Landwirtschaft entschloss sich Abt Joachim Herpfer von Herpfenburg und der damalige Konvent zu einem Neubau des Prielhofs. 1758 wurde ein großzügiger, im barocken Stil erbauter, Vierseithof etwas weiter von den Weihern entfernt auf etwas höherem Gelände errichtet.

Das Problem der Wasserversorgung wurde durch die Einrichtung von eigenen Ziehbrunnen in den jeweiligen Stallungen gelöst. Diese große Baumaßnahme verschlang die gewaltige Summe von 25.000 Gulden. Ein Aufmaß dieses neuen Prielhofes ist aus dem Jahr 1783 von „Geometer Joann Baptista Prennhofer“ erhalten. Auch ein Holzmodell, wohl aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zeigt im Wesentlichen den damaligen Bauzustand. Nach der Fertigstellung dieser bis heute monumentalen Hofanlage wurde der Betrieb dorthin verlagert. Der alte Prielhof wurde abgerissen; von ihm ist heute nichts mehr erhalten.

Nach Aussagen von Vertretern des Bayer. Landesamt für Denkmalpflege wurde wohl schon um 1800 die mittlere Hochtenneneinfahrt errichtet. Sie wäre damit einer der ältesten Belege für die Direkteinbringung von Heu und Stroh in die Tenne. Davor musste durch große Gauben (Zwerchhäuser) alles Heu und Stroh von den landwirtschaftlichen Fuhrwerken hoch in die Tenne, d. h. in den ersten Stock bzw. unter das Dach gegabelt werden.

Mit der Aufhebung des Klosters am 1. April 1803 wurden auch die Güter des Klosters versteigert. Während die damals rund 700 Höfe des Klosters in das Eigentum des Bayerischen Staates fielen und Zug um Zug von den jeweiligen Besitzern abgelöst wurden, wurde der Prielhof als das vom Kloster selbst verwaltetes Gut, wie auch die Klostergebäude, verstei­gert. So erwarb der Bierbrauer Joseph Hermann Stangl aus Pilsting a. d. Isar im Jahr 1804 alle Klostergebäude samt Brauerei, Prielhof, Feldern, Wiesen und dem größten Teil des Scheyrer Forstes für 19.000 Gulden. Damit wurden als Verkaufserlös für die Staatskasse nicht einmal die nur gut 40 Jahre zuvor aufgebrachten Baukosten des Prielhofes erzielt. Der Grund für den äußerst geringen Verkaufserlös ist das Überangebot an Realien nach der Säkularisation in ganz Bayern.

Nach dem Tod von Stangl 1809 vermählt sich seine Witwe mit Alois von Käser, der wohl wenig Glück mit der Scheyerer Ökonomie hatte. Er nahm sich wegen finanzieller Schwierigkeiten 1819 das Leben. 1821 kaufte der sächsische Freiherr Gottfried von Langenthal das Kloster samt Gut für nun bereits 85.000 Gulden und veräußerte es bereits ein Jahr später mit Gewinn um 90.000 Gulden an seinen Landsmann Freiherr Moritz von Taube. Erst im Jahr 1835 fand diese Entwicklung ein Ende, als König Ludwig I. zur Wiederbegründung der Benediktinerabtei Scheyern den Besitz vom Münchener Damen­stift für 100.000 Gulden zurückkaufen ließ. Da der Baron von Taube sich vorerst noch die Nutznießung vorbehielt und die Klostergebäude erst gründlich saniert werden mussten, übergab König Ludwig I. von Bayern die Gebäude samt Prielhof erst am 1. Oktober 1838 an das wiedererstandene Kloster.

In den Jahren des häufigen Besitzerwechsels sind keine größeren Baumaßnahmen im Priel­hof zu verzeichnen. Einerseits war dies nicht nötig, da das landwirtschaftliche Gut über ein verhältnismäßig neues Gebäude verfügte, andererseits war keiner der zwischenzeitlichen Besitzer an großen Investitionen interessiert. Das erworbene Kloster samt Gut sollten für die jeweiligen Eigentümer lediglich möglichst viel Geld erwirtschaften.

Die Situation änderte sich völlig, nachdem die Mönche wieder Herr im Prielhof waren. Bereits 1840 wurden Pläne für eine neue Ziegelei hinter der barocken Hofanlage mit sogenanntem Deutschen Brennofen gefasst, von staatlicher Seite genehmigt und in der Folge ausgeführt. 1850 kam es zu Erweiterungsbauten. Die Ziegelei war bis 1907 in Betrieb und brannte Ziegel für den eigenen Bedarf des Klosters und zum Verkauf. Die bis dahin gebrannten Scheyrer Ziegel haben als traditionelles Maß den sog. Scheyrer Fuß (29,185 cm) im Gegensatz zum damals üblichen Deutschen Reichsformat. Als Grund für die Aufgabe der Ziegelei nennt der damalige Cellerar, P. Paul Eble, die schlechte Qualität des heimischen Lehms wie auch die schwierige Vermarktung, da Scheyern keinen direkten Bahnanschluss hat und somit Liefe­rungen nach auswärts erheblich erschwert wurden. Zudem hatte am 6. August 1907 ein hef­tiger Sturm einen großen Teil der Trockenräume umgelegt.

In der Folgezeit wurde die Zie­gelei in kleine Wohneinheiten für Bedienstete des Klosters umgebaut, die aber  nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend an Attraktivität verloren. Wohl durch die Unachtsamkeit eines Landstreichers gingen 1993 die Gebäude der ehemaligen Ziegelei in Flammen auf. Nur ein kleiner Teil blieb erhalten. Als Ersatz wurde eine moderne landwirtschaftliche Halle errichtet, die vorerst der Rinderhaltung diente. Im Jahr 2005 entsteht in diesem Gebäude die neue zentrale Heizanlage für das Kloster. Mittels Hackschnitzel werden 1800 KW Energie gewon­nen, die in Form von Dampf einen Motor zur Stromerzeugung (Spillingmotor) antreibt, der der Brauerei die nötige Energie für den Brauprozess liefert und mittels Wärmetauscher dem Kloster zu Heizzwecken dient.

Im Jahr 1845 wurde der große Innenhof des Prielhofes gepflastert. Von diesem Pflaster aus teilweise gebrochenen Kieselsteinen sind noch Teile erhalten.  Als Ersatz für den großen Getreidekasten im Klosterhof (heute Wäscherei, Pfarrlokal, Jugendräume und 2. bzw. 3. Nebenzimmer der Klosterschenke), der durch eine Erweiterung der damaligen Brauerei bzw. für notwendige Wohnungen benötigt wurde, errichtete das Kloster 1856/57 auf der Südseite des Prielhofes einen neuen Getreidestadel. Dies ersparte den Fuhrwerken den beschwerlichen Weg hinauf in den Klosterhof und verringerte die gefährliche Brandlast in unmittelbarer Klosternähe.

Heute wird er als der „Alte Stadel“ bezeichnet und dient der Landwirt­schaft als Maschinenhalle und Werkstatt. Diese Umnutzung wurde erst möglich, als 1910 ein neuer großer Kornstadel gebaut wurde. Er soll die biblischen Maße der Arche Noach haben. Dieser „Neue Stadel“ hat auf der Süd- wie auf der Nordseite eigene Tenneneinfahrten. Diese erwiesen sich von Anfang an als außerordentlich praktisch. P. Paul Eble schreibt darüber:

„Am deutlichsten zeigte sich der Nutzen des neuen Getreidestadels im Weltkrieg, wo die meisten Brüder und Tagelöhner im Feld standen. Am 16. August 1916 konnten wir so z. B. die ganze Weizenernte einbringen. Es waren ca. 120 Fuhren. Die Gespanne fuhren gleichsam im Kreis: Oberhoffeld-Getreidestadel-Oberhoffeld. Wenn ein Fuder umfiel, liess man es liegen, um Zeit zu ersparen …“ (Klas Ia 4, S. 32)

Heute befindet sich in diesem, noch immer beeindruckenden, stattlichen, Stadel ein großes Kartoffellager. Das Klostergut Scheyern hat sich seit seiner Verpachtung an den Freistaat Bayern und die Bewirtschaftung durch die TU München-Weihenstephan zu einem Hauptum­schlagplatz für Kartoffel entwickelt. Um die Verwertung des klostereigenen Obstes zu verbessern, wurde 1858 ein Plan für einen eigenen Dörrofen gefasst. Er soll an der Stelle stehen, an der bereits der barocke Bauplan des Prielhofs einen Ofen markiert. Ob diese Pläne zur Ausführung gekommen sind, ist frag­lich. Es finden sich keinerlei Hinweise auf  eine entsprechende Anlage.

Im Juni 1863 wurden schließlich Pläne zur Erweiterung des eigentlichen Prielhofes geneh­migt. Auf der Nordseite sollten zwei größere Anbauten getätigt werden. Der westliche Anbau sollte als Wagenremieße dienen, der östliche Anbau als Ochsenstall. Beide Gebäude wur­den ausgeführt. Bis zur Verpachtung des Klostergutes an den Freistaat Bayern befand sich im nördlichen Anbau der neue Schweinestall. Im südlichen Anbau wurden zwischen 1990 und 1992 die für den landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb notwendigen Rinder gehalten. Heute stehen beide Ställe leer, wie nahezu alle anderen Ställe der alten Hofstätte. Lediglich für kulturelle Veranstaltungen wie etwa „Kunst im Gut“, wird der südliche Anbau mit seinem schönen Gewölben genutzt.

An der Stelle eines bereits vorhandenen Gebäudes wurde 1885 ein Holzlager errichtet. Nach mehreren Umbauten und Erneuerungen dient dieses Gebäude noch heute zur Lagerung der Holzvorräte für die Klosterschreinerei. Westlich davon wurde 1909 eine Sägehalle errichtet. Damit fand das vormalige Sägewerk (neben dem Gartenmüller) unterhalb des Parkweihers, der die nötige Energie mittels Nutzung von Wasserkraft nur unzureichend lieferte, einen neuen Platz. Die Versorgung erfolgte nun mittels elektrischer Energie. Der damalige Cellerar, P. Paul Eble, hatte sich drei Jahre zuvor in Regensburg mit dieser für Bayern neuen Kraft­anlagentechnik vertraut gemacht. Aus Rentabilitätsgründen wurde das Sägewerk 1984 vom Kloster aufgegeben. Die Säge wurde bis 2002 von der Bayerischen Waldbauernschule in Scheyern  für Lehrzwecke genutzt. Seither dient sie der klostereigenen Zimmerei.

Ein erster Vorbote größerer Baumaßnahmen im barocken Prielhofgebäude war 1889 die teilweise Erneuerung des Dachstuhles. Davon betroffen war, nach dem im Klosterarchiv noch aufbewahrtem Plan, im Wesentlichen die südwestliche Ecke. Damals dachte noch niemand an eine großzügige Erweiterung der Tennen. Sie erfolgte 1912 im Südflügel und 1913/14 im Nordflügel. Beide Bauten wurden um ein Geschoß aufgestockt und der Dachstuhl als Pfettendach komplett erneuert. Dieser Umbau ermöglichte eine direkte Tenneneinfahrt für den Nord- bzw. Südflügel.

Beide Dächer mussten im Zuge der großen Sanierungsmaßnahme des Westflügels 2003 aufgrund ihrer knapp bemessenen Traglast mittels Hilfskonstruktionen gestützt werden. Die Aufstockung beider Gebäudeteile diente nicht nur einer Erweiterung der Lagerfläche für Heu und Stroh. Mit dieser Erweiterung konnte für die zahlreichen Bediensteten ein adäquater Wohnraum geschaffen werden. Ein Teil der damals ausgebauten Schlafsäle für die Mägde wurde Ende der 80-er Jahre in eine Mädchenwohngemeinschaft umgebaut, da zunehmend auch Wohnraum für Schülerinnen benötigt wird. Diese Aufstockung ergab auch Wohnraum für den Gutsverwalter. 2003 wurde auch die Verwalterwohnung zu einer Wohngemeinschaft für Mädchen umgebaut. Der heutige Gutsverwalter hat seine Wohnung wieder im barocken Mittelbau.

Über die Bewirtschaftung in den letzten Jahrzehnten, sowohl vor der Verpachtung an den Freistaat Bayern im Jahr 1990 wie über die jüngsten Entwicklungen, berichten einige Augenzeugen (vgl. eigener Artikel „Erinnerungen an den Prielhof aus drei Generationen“).  Über die 1993 begonnene Sanierung des Prielhofs (Westflügel) erfolgt nach deren Abschluss eine ausführliche Dokumentation.

 

Brand

Sonntagmorgen, 10. August 2014, ca. 00.30 Uhr:

In der Nacht brannte der 1910 erbaute große Stadel (auch „Arche Noah“ genannt) des Klosters. Passanten hatten das Feuer entdeckt. Die schnell angerückten Feuerwehren konnten den Brand nicht mehr löschen, aber die umliegenden Gebäude sichern.

 

"Neuer Stadel" Baujahr 1910

Nach der Brandkatastrophe am 10. August 2014