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Der alte, 1510 erbaute Prielhof ist auf einem Ölgemälde (um 1700) bildlich überliefert.

Der Prielhof - der Meierhof des Klosters Scheyern

Von P. Lukas Wirth OSB

Etwa 500 Meter westlich der eigentlichen Klosteranlage liegt am Fuß des Klosterberges der stattliche Meierhof unserer Benediktinerabtei. Prielhof wird er seit jeher genannt. Diese Bezeichnung weist in die frühe Geschichte Scheyerns zurück.

Die mittelalterliche Hofstelle

Bereits 1107 wird ein Besitz namens „Brŏle“ in den Güterverzeichnissen unseres Klosters erwähnt. Damit gehört der Prielhof schon vor der eigentlichen Klosteranlage der kleinen klösterlichen Gemeinschaft, die damals nach der Klosterverlegung von Fischbachau auf den Petersberg bei Eisenhofen die dortige Klosterkirche vollendete. Pleickard Stumpf verknüpft den Prielhof in seinem „Geographisch-Statistisch-Historischen Handbuch des Königreiches Bayern“ von 1852 mit den Anfängen des Dorfes Scheyern. Nach seinen Aussagen hat es früher „Prül“ oder „Priel“ geheißen.

Damit ist freilich nicht das spätere Klosterdorf Großenhag gemeint, das als Handwerkersiedlung erst im 14. Jahrhundert entstand und heute den Hauptsiedlungsraum Scheyerns südöstlich der Klosteranlage bildet. Während er „Priel“ von keltischen Wurzeln her als „Zwinger“ deutet, gehen heutige Sprachwissenschaftler davon aus, dass „Brühl“ eine sumpfige, mit Buschwerk bewachsene Wiese, eine „Wässerwiese“, bezeichnet. Wer die Lage des Prielhofes kennt, wird dieser Deutung Einiges abgewinnen können, zumal der Vorgängerbau der heutigen Hofstätte, der bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts bewirtschaftet wurde, unmittelbar an den so genannten Inselweiher angrenzte und so wirklich „im Sumpf“ lag. Die Anfänge des Prielhofes weisen letztlich, wie die Anfänge Scheyerns selbst, in die früheste Bayerische Geschichte zurück und sind wohl eng verknüpft mit der schwer zu beantwortenden Frage nach dem Alter Scheyerns.

Im 12. Jahrhundert wird ein Ministeriale des Pfalzgrafen von Wittelsbach mit Namen „Timo“ erwähnt. Er übergibt wohl zwischen 1186 und 1195 sein Gut, das „Pryle“ genannt wird, an das Kloster, nachdem er „von den Brüdern in Scheyern fünf Talente empfangen hatte“(vgl. Clm 1052, 48). Nimmt man diesen Bericht wörtlich, so hat die „Siedlung“ (villa) Pryle ursprünglich wohl wirklich mehrere Anwesen gehabt. Diese wurden im Laufe der Zeit zu einer Hofstätte zusammengefasst, um der Versorgung des Klosters und seiner Mönche zu dienen. Dies erklärt die Vergrößerung der Anbauflächen durch Rodung und die wachsende Zahl der Bediensteten im Hochmittelalter.

Da der Prielhof vor allem zur Deckung des Eigenbedarfes des Klosters diente, finden sich in den Urbaren nur spärliche Angaben und Hinweise auf ihn. Im Jahr 1332 wird „Ulrich der Prielmayster“ erwähnt. Im Salbuch um 1339-1363 wird „Pruel“ unter den Gütern aufgeführt, die Abgaben zu entrichten hatten. Im Jahr 1339 scheint der Prielhof oder Teile davon an einen Grundholden verliehen zu sein. Es heißt hier: „Pruel hat jährlich abzugeben: 3 Mitl  Roggen, 1 Mitl Weizen, 5 Mitl Gerste, 15 Mitl Hafer“. Mengenmäßig handelt es sich um Ab­gaben eines kleineren Hofes. Da aber bereits 1349 keine Eintragungen mehr vorhanden sind, ging das Gut wohl wieder in eigene Verwaltung über.

1422 wird der „Prewlhof“ bezeichnet als der Hof „da der Rauchmair (heute Rauhof) aufsitzt“. Im Salbuch um 1440 finden wir im Nachtrag Übereinkünfte mit den Dienern auf dem Prülhoff: „Convenciones servorum in Prülhoff“. In diesem Zusammenhang werden neun Angestellte sogar namentlich genannt: Johannes, Sohn des Diechtel von Walterspuch; Johannes Ödenhuber; Jorg Miterknecht; Hännsl Hütter; Anderl Menknecht; Ullricus Menknecht; Margareta Gratzerin; Elisabeth; Margaret, die Schwester des Stellmachers.

Im Salbuch um 1487 sind ebenfalls die „Übereinkünfte“ mit den Bediensteten in „Pruell“ aufgeführt. Die Dienerschaft wurde auf 15, wieder namentlich genannte, Personen erweitert. Damit übersteigt der damalige Prielhof bei Weitem die Größe einer üblichen Hofstätte. 1493 erlässt Abt Paulus Preu ebenfalls eine Dienstordnung für den Prielhof. Diese Satzung stellt, wie P. Anselm Reichhold in seiner „Chronik von Scheyern“  aufführt, eine ausführliche Darlegung des Pflichtumfangs, der Verköstigung und der Entlohnung der Diener und Angestellten auf dem Prielhof und im Klosterbereich dar. Das stete Wachsen dieses landwirtschaftlichen Gutes machte schließlich 1510 den Bau einer neuen Hofstelle notwendig. Der alte Prielhof bleibt bis zum Neubau im Jahr 1758 erhalten und ist auf einem Ölgemälde von ca. 1700 bildlich überliefert.

Aus unbekannten Gründen wird der Prielhof um 1574 erneut, vorerst auf 12 Jahre, an einen Grundholden verliehen. Die Abgaben, die von im gefordert werden, lassen erkennen, dass der Prielhof etwa die drei- bis vierfache Größe eines damals üblichen mittleren Hofes hatte. Wohl veranlasst durch die unsicheren politischen Verhältnisse zu Beginn des 30-jährigen Krieges nahm Abt Stephan Reitberger den Prielhof am 26. März 1619 wieder in die eigene Bewirtschaftung des Klosters. Bereits am 27. Januar 1611 hatte Abt Stephan eine ausführliche „Ausweisung für die Bewirtschaftung des Prielhofes für Hans Pfab und seine Ehefrau“ gegeben. Von diesem Zeitpunkt an blieb der Prielhof bis zur Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation in der Eigenverwaltung des Klosters und entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.