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Der Klostergarten von Scheyern

Das Anlegen von Gärten hat in den Klöstern von alters her Tradition, dienten sie doch dem Anbau von Obst und Gemüse, aber auch von Kräutern, die man als Gewürze und für Heilzwecke dringend benötigte. So verfügt auch das Kloster Scheyern von Anfang an über einen Klostergarten, in dem verschiedene Obst- und Gemüsearten, Blumen und Kräuter kultiviert wurden. Wie die Scheyrer Klostergärten während der Barockzeit aussahen überliefert eine Ansicht der Klosteranlage von dem berühmten Kupferstecher Michael Wening aus dem Jahr 1701.

er heutige Scheyrer Klostergarten gliedert sich in mehrere Bereiche: der Konventgarten im Osten des Klosterareals, die Obstgärten am Nord- und Westhang und schließlich der Klosterpark, ein mit mächtigen alter Bäumen bestandener Hügel neben der Kirche. Darüber hinaus ist auch der große Innenhof des Klosters gartenähnlich angelegt. Klostergarten und Klosterpark dienen für uns Mönche einerseits der Erholung und als Bereich um sich zurückzuziehen, andererseits dient der Klostergarten auch der Versorgung unserer Gemeinschaft mit frischem Obst.

Ein Großteil des Gartens ist daher mit Obstbäumen (meist Halb- oder Hochstämme) wie Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, Zwetschge etc. bestanden. Die Tradition alter Kräutergärten wird hoch fortgesetzt durch ein Kräuterbeet vor der Südwand des Konventrakts. Hier sind verschiedene Heil und Würzkräuter wie Zitronenmelisse, Thymian, Estragon, Weinraute, Dost, Wermut, Borretsch, Liebstöckel, Pfefferminze, Königskerze, Schnittlauch, Meerrettich, Bärlauch, Lavendel, Ysop, etc. zu finden. Weiterhin befinden sich auch eine Reihe robuster Ziersträucher im Garten wie Forsythie, Weigelie, Schneeball, Spierstrauch, Flieder, Zierquitte, Blutjohannisbeere etc., die auch für den Kirchenschmuck blühende Zweige liefern.


Zwei Streuobstwiesen

 Im Herbst des Jahres 2002 wurden in einer größeren Pflanzaktion zwei Bereiche des Scheyrer Klosterareals mit Obstbäumen neu bepflanzt. Es handelt sich dabei um den Hang nördlich der Klosterkirche, der sich zum Hohlweg und zum Parkweiher hinabsenkt und um einen Teilbereich des Westhangs hinter dem Klosterfriedhof.

er Bereich nördlich der Kirche war schon früher einmal als Obstgarten genutzt worden. Aus dieser Zeit waren noch einige ältere Obstbäume vorhanden, von denen zehn Bäume in die Neuanpflanzung integriert wurden. Das Grundstück wurde zuletzt, vor allem im unteren Bereich, als Christbaumkultur genutzt, ebenso der nun neu bepflanzte Bereich am Westhang des Klosters. Oberhalb der Neuanpflanzung, also direkt hinter dem Klosterfriedhof, gab es schon seit Jahrzehnten Obstbäume. Hier steht auch unser Bienenhaus, das wesentlich dazu beiträgt, den Ertrag der Bäume zu gewährleisten.

Durch unseren Forstwirt Herrn Fritz Müller und seine Mitarbeiter wurden die Flächen für die Neuanpflanzung in einer aufwendigen Aktion vorbereitet. Dabei mussten alle verbliebenen Bäume der Christbaumkulturen, einige überalterte Obstbäume und verschiedene Gehölze, die sich dort wild ausgebreitet hatten, gerodet und weggeschafft werden. Der feuchte Boden, vollgesogen durch die hohen Niederschläge im Sommer und Herbst 2002, erschwerte die Arbeit massiv. Nachdem alle Flächen wie vorgesehen präpariert waren, konnte mit der Pflanzung begonnen werden. Dieses Projekt wurde durch ein Programm des Landwirtschaftsamtes maßgeblich gefördert.

Insgesamt konnten hier 58 junge Obstbäume neu angepflanzt werden. Aus landschaftsgestalterischen und ökologischen Gesichtspunkten wurden ausschließlich Hochstämme gepflanzt. Es wurde also keine Plantage mit kleinen Buschbäumen geschaffen, bei der die wirtschaftliche Nutzung im Vordergrund steht, sondern eine extensiv genutzte Streuobstwiese. In erster Linie haben wir im Blick auf die Verwertbarkeit Apfelsorten angepflanzt, vor allem solche Sorten, die sich durch hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Witterungseinflüssen, oder auch durch eine gute Lagerfähigkeit auszeichnen.

So stehen hier neben einer Reihe älterer Sorten wie "Schöner von Boskoop", "Jakob Fischer", "Roter Eiserapfel" und "Rheinischer Bohnapfel" auch neuere Sorten wie "Rewena", "Pinova" und "Retina". Da wir unsere Obstbäume aus umweltschützenden Gesichtspunkten nicht spritzen, haben wir jene Sorten bevorzugt, die als wenig anfällig gelten. Neben Apfelbäumen finden sich auch Birn-, Kirsch-, Pflaumen- und Zwetschgenbäume, als kleine Besonderheit auch zwei Speierlingbäume an den Rändern der Neupflanzung. Beim Speierling handelt es sich um eine sehr alte Obstsorte, - grob gesagt - eine Zwischenform von Vogelbeere und Birne, die heute nur mehr selten zu finden ist.

Weiterhin haben wir am nördlichen Hang aus heimischen Wildgehölzen wie Holunder, Schlehe, Feldahorn, Heckenrose, Kornelkirsche, Schneeball, Liguster einen Gehölzsaum geschaffen. Dadurch wird die Streuobstwiese von Westen und Süden her eingefasst. Auf diese Weise ergibt sich ein harmonischer Übergang zum Klosterpark, der mit seinen hohen, alten Bäumen unmittelbar angrenzt. Zudem bieten die Wildgehölze im ausgewachsenen Zustand zahlreichen Tierarten Nahrung und Lebensraum.

Durch die sog. "Feuerbrandkrankheit", die jüngst im Landkreis Pfaffenhofen aufgetreten ist, droht den Obstgehölzen eine gewisse Gefahr. Es handelt sich dabei um eine bakterielle Erkrankung, die vor allem Kernobstgehölze wie Birne, Apfel oder Quitte, aber auch einige Ziergehölze befällt. In relativ kurzer Zeit können davon betroffene Bäume absterben. Durch Pflanzenschutzmittel ist die "Feuerbrandkrankheit" kaum zu bekämpfen. So bleibt häufig nur die Rodung befallener Gehölze bzw. die Anpflanzung von Obstsorten, die als resistent oder wenig anfällig gelten, etwa die Apfelsorten "Rewena" oder "Reglindis".

Durch die Neubepflanzung in unserem Klostergarten mit Obsthochstämmen wollen wir Scheyrer Mönche einen Beitrag zum Schutz unserer Landschaft und unserer Umwelt leisten. Gerade Streuobstwiesen gelten als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche, zum Teil auch vom Aussterben stark bedrohte Tierarten. Für uns steht in dieser Neuanpflanzung nicht der ökonomische, sondern der ökologische Wert im Vordergrund. Die Bewahrung der Schöpfung, Gestaltung und Erhalt der uns von Gott anvertrauten Natur, sind Ziele, denen wir Christen uns verpflichtet wissen sollten. Wir hoffen, dass sich unsere neuen Streuobstwiesen gut entwickeln und im Lauf der Zeit vielleicht sogar zu einem kleinen Paradies für Menschen und Tiere werden.