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Schulgeschichte im Kloster Scheyern

Verschiedene Kapitel der Regel des hl. Benedikt und die Geschichte der Klöster im Laufe der Jahrhunderte setzen eine Kloster-Schule im Bereich eines Klosters als eine Selbstverständlichkeit voraus. Für das Kloster Scheyern wird dies insbesondere bezeugt durch mehrere Codices, die sich in der Münchener Staatsbibliothek befinden, so vor allem durch die „Historia scolastica“ (Geschichte für den Schulgebrauch) des Magisters Petrus (Clm 17405, um 1220). In diesem befindet sich auch eine sehr schöne farbige Darstellung der „Sieben Freien Künste“, die damals in den Klosterschulen im Rahmen der „Allgemeinbildung“ gelehrt wurden.

Andreas Schmeller ging in Scheyerer Schule

Aus den Kloster- und Domschulen haben sich dann die Universitäten entwickelt. Diese Schulen waren zunächst für den eigenen Nachwuchs gedacht; standen aber einem beschränkten Kreis anderer Schüler offen. Kurz vor der Säkularisation ist zum Beispiel der berühmte Mundartforscher Andreas Schmeller in die Scheyerer Schule gegangen.

Die Benediktinerklöster haben stets eine enge Verbindung gepflegt zwischen geistiger Tätigkeit und Handarbeit. In Scheyern ist diese Hinordnung zur handwerklichen Tätigkeit noch besonders deutlich zu erkennen in der unregelmäßigen Anlage des Klosterhofs, die  auf die alte Burganlage  vor 1000  Jahren mit den vielfachen Handwerksbetrieben zurückgeht, und in der  Anlage des Dorfes Scheyern/Großenhag, das um 1400 als reine Handwerkersiedlung entstanden ist.

Viele Gelehrte an bayerischen Benediktinerklöstern

Auch konnten die bayerischen Benediktinerklöster im 17. und 18. Jahrhundert eine reiche Anzahl von bedeutenden Gelehrten aufweisen. Daneben finden wir in Scheyern schon sehr früh, bereits im 15. Jahrhundert, eine eigene  Dorfschule, für die ein eigener  "magister", ein Schullehrer aufgestellt war. Sogar der Aufhebungskommissar musste 1803 gestehen: "Die Schull in Scheyern ist wohl bestellt, und es gereicht dem Herrn Prälaten und den Religiosen zum besonderen Verdienst, eine so gute Landschule etabliert zu haben, welche wenig ihresgleichen finden wird."

Nach der Wiedererrichtung einiger Klöster um 1840 wollte König Ludwig I. das gesamte Höhere Schulwesen in Bayern in die Hände der Benediktiner legen, die sich vor  der Säkularisation, im Jahre 1803, große Verdienste um Kunst und Wissenschaft erworben hatten. Freilich konnten diese Pläne nur teilweise verwirklicht werden.

Ab 1838: Lateinschule und später Gymnasium

In  Scheyern, das 1838 wieder errichtet wurde, schuf man zunächst eine Lateinschule  für freie Berufe und dann 1860 ein Erzbischöfliches Knabenseminar. 1928 erweiterte man die Schule zum Progymnasium  mit 6 Klassen. Aber mit dem Schuljahr 1939/40 wurde es - wie alle übrigen Ordensschulen - von den Nazis aufgehoben.  Dies wurde damit begründet, “daß man weder gegen die persönliche Ehrenhaftigkeit und berufliche Tüchtigkeit der abgebauten Ordensleute, noch gegen die Leistungen ihrer Schulen in der Vergangenheit etwas einwenden könne, - aber aus dem heutigen Unterrichts- und Erziehungswesen müssten sie deswegen ausgeschaltet werden, weil sie infolge ihrer Ordensgelübde die weltanschaulichen Forderungen des heutigen Staates an die Jugenderziehung nicht erfüllen können”.

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde jedoch  die Schule wieder errichtet und  zu einem Vollgymnasium mit 9 Klassen ausgebaut,  das dann 1969 wegen Personalmangel wieder geschlossen werden musste. Bereits am 23. April 1964 war vom Staatsministerium die Errichtung eines Realgymnasiums in Pfaffenhofen genehmigt worden. Noch vor dessen feierlicher Einweihung, am 20. Febr. 1970, war die Auflösung des Humanistischen Gymnasiums Scheyern erfolgt. Das neue Pfaffenhofener Gymnasium nannte sich nunmehr “Schyren”-Gymnasium, um die Verbindung mit der Schule in Scheyern anzudeuten.

Seit 1976 Berufsoberschule in Scheyern

Vom Herbst 1969 bis Weihnachten 1975 waren in den Räumen des ehemaligen  Humanistischen Gymnasiums in Scheyern noch 9 bis 10 Klassen des Schyrengymnasiums untergebracht, das noch erweitert wurde. Mit Beginn des Jahres 1976 begannen die umfangreichen Renovierungsarbeiten am alten Gymnasiumsgebäude in Scheyern,  die im Herbst 1976 so weit gediehen waren, dass die neue Berufsoberschule  den Unterrichtsbetrieb aufnehmen konnte.

Der Eröffnung der Berufsoberschule waren umfangreiche Vorüberlegungen und Planungen vorausgegangen.  Man entschied sich dann für eine Berufsoberschule, obwohl diese neue Schulart sich erst in der Phase der Erprobung  befand. Aber andererseits schien sie  am besten geeignet, die Kontinuität zu bewahren. Nach langwierigen Verhandlungen entschied sich am 18. Juni 1975 der Kreistag des Landkreises Pfaffenhofen, die Trägerschaft für  die neue Staatliche Berufsoberschule in Scheyern zu übernehmen

FOS schlägt neues Kapitel in der Schulgeschichte des Klosters auf

Ein lang gehegter Wunsch ist 2012 in Erfüllung gegangen: Nach einer erfolgreichen Probeeinschreibung genehmigte das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus die Gründung einer Fachoberschule (FOS) mit den Zweigen Technik und Wirtschaft in Scheyern. Damit wird ein neues Kapitel in der Schulgeschichte des Klosters Scheyern aufgeschlagen.

Die FOS Scheyern startete bereits zum Schuljahr 2012/2013, allerdings ausgelagert in Räume an der Berufsschule Pfaffenhofen.Die erforderlichen Räumlichkeiten in Scheyern werden im Südflügel des Klosters geschaffen. Die Gesamtkosten für den Umbau sind auf rund sieben Millionen Euro veranschlagt. Der erste Bauabschnitt wurde im Sommer 2014 abgeschlossen, wodurch zum Beginn des Schuljahres 2014/2015 die ersten Klassenzimmer zur Verfügung standen. Bis Herbst 2016 soll der zweite Bauabschnitt folgen.