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Benediktinische Spiritualität:
Ganz verfügbar für Gott

„Vacare deo“ – „Freisein für Gott“, das gehört zum innersten Wesen unseres benediktinischen Ordenslebens. Nichts soll uns hindern, Gottes Ruf in uns wirksam werden zu lassen. Deshalb ist für uns der Weg, auf dem wir die Nachfolge Jesu zu verwirklichen suchen, das Leben nach den Evangelischen Räten:

Christus im Himmel

  • Im Gelübde der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, damit unser Herz frei sei für eine größere Liebe zu Christus und den Menschen.
  • Im Gelübde der Armut, damit - persönlich anspruchslos - Christus unser einziger Reichtum sei.
  • Im Gelübde des Gehorsams, damit wir Anteil haben am Gehorsam Jesu und auch an seinem Dienst zum Heil der Welt.

Ein besonderes Gelübde kommt noch hinzu: die "Stabilitas", - das Versprechen von Beständigkeit. In der Profess bindet sich der Mönch für sein ganzes Leben an die konkrete Klostergemeinschaft. Diese "Stabilitas" hat ihren Ursprung in der Zeit der Völkerwanderung. Wo alles auseinanderfiel und die Menschen innerlich und äußerlich heimatlos waren, da bedurfte es einer ruhenden, starken Mitte: den Glauben in der Gemeinschaft der Brüder zu leben, in guten wie in bösen Tagen.

Auch in unserer bewegten Zeit sind verlässliche Bindungen und feste Punkte ein Segen. Ein Kloster, das seit Jahrhunderten am gleichen Ort steht, ist Garant von Kontinuität. Es hat tiefe Wurzeln in der Geschichte und kann auch für Menschen von heute wegweisend sein.

Leben in der Gegenwart Gottes

Der moderne Mensch beklagt immer wieder die Abwesenheit Gottes. Gott ist uns fremd geworden, wir haben kein Gespür mehr für seine Gegenwart mitten im Leben. Wie sieht das der hl. Benedikt?

Für ihn spielt sich unser ganzes Leben in der Gegenwart Gottes ab. Darum haben wir überall mit Gott zu tun. Selbst der Umgang mit dem Arbeitsgerät und die Verwaltung des Vermögens, also ganz alltägliches Tun, gehören für Benedikt in die Verantwortung des Menschen gegenüber Gott.

„Alle Geräte und den ganzen Besitz des Klosters betrachte er als heiliges Altargerät.“ (RB 31,10) (RB=Regel des hl. Benedikt)

Zu den Instrumenten der geistlichen Kunst zählt Benedikt die feste Überzeugung, „dass Gott überall auf uns schaut" (RB 4,49). Dieser Blick Gottes ist ein liebender, eine mitfühlende Anteilnahme. In der Gegenwart Gottes finden wir unser wahres Selbst, auch unsere eigenen Fehler und Schwächen. Wir dürfen so vor ihm stehen, wie wir sind, im Vertrauen, dass er alles zum Besten führt. Wenn wir aus diesem Glauben heraus miteinander umgehen, können zwischenmenschliche Probleme unsere frohe Hoffnung nicht nehmen.

Hl. Benedikt – Der Liebe zu Christus nichts vorziehen

Das erste und das letzte Wort der Regel sind kennzeichnend: "Höre" (obsculta) und "du wirst zum Ziel gelangen" (pervenies). Der Mönch hört und strebt einem Ziel zu, an das er auch gelangt, wenn er den Weisungen des hl. Benedikt folgt.

Mit dem Hinhören auf den Herrn beginnt jedes geistliche Leben. Das ganze klösterliche Leben hat den Sinn, Christus zu Wort kommen zu lassen. Die Haltung des Hörens ist also etwas Wesentliches. Und damit wir das ja nicht oberflächlich verstehen, fügt Benedikt nachdrücklich hinzu: "Neige das Ohr deines Herzens" (RB, Prolog 1). Gemeint ist also ein Hören mit unserm ganzen Wesen, mit unserm Innersten.

Benedikt leitet an zu einem Leben in Christus, führt hin zu einer tiefen Christusverbundenheit: "Der Liebe zu Christus nichts vorziehen." (RB 4,21)

"Gürten wir uns also mit Glauben und Treue im Guten, und gehen wir unter der Führung des Evangeliums seine Wege, damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich gerufen hat." (RB, Prolog 21)

Christus ist im klösterlichen Leben konkret erfahrbar: In jedem der Brüder, vor allem in den Kranken, und ebenso in den Armen, Pilgern und Gästen ist Christus gegenwärtig. Ihn sieht der Mönch im Glauben insbesondere in der Person des Abtes, dem Benedikt das Bild des guten Hirten vor Augen stellt.

Benediktinischer Friede

Der Friede in der klösterlichen Gemeinschaft ist für den hl. Benedikt ein hohes Gut. Nur wer im Frieden mit sich und seiner Umwelt lebt, kann auch auf dem Weg zu Gott voranschreiten. Deshalb ordnet Benedikt alles mit Umsicht, "denn niemand soll verwirrt und traurig werden im Hause Gottes" (RB 31,19). Friede wird dort entstehen, wo nicht eintönige Gleichmacherei, sondern Rücksicht auf die Eigenart des einzelnen gilt.

"Man halte sich an das Wort der Schrift:
Jedem wurde soviel zugeteilt, wie er nötig hatte.
Damit sagen wir nicht,
daß jemand wegen seines Ansehens bevorzugt werden soll,
was ferne sei.
Wohl aber nehme man Rücksicht auf Schwächen.
Wer weniger braucht,
danke Gott und sei nicht traurig.
Wer mehr braucht,
werde demütig wegen seiner Schwäche und nicht überheblich
wegen der ihm erwiesenen Barmherzigkeit.
So werden alle Glieder der Gemeinschaft  im Frieden sein." 
                                                                              (RB 34,1-5)